So sieht sie aus, meine Route von Deutschland nach China. (Map: stepmap.de)

Von Deutschland nach China ohne Flug

Ruti Reiseorganisation, Weltreise 6 Comments

Es ist schon eine Wahnsinns-Erfindung, dieses Flugzeug. Es bringt Dich in nur wenigen Stunden ans andere Ende der Welt. Du sitzt in einer blechernen Röhre und bist von der Außenwelt abgetrennt. Du spürst keine Geschwindigkeit, keinen Fahrtwind und keine Veränderung. Einzig beim Blick durch das kleine Fenster siehst Du die Erde unter Dir hinwegziehen. Vielleicht werden da gerade Kriege geführt oder Partys gefeiert. Du wirst es nie erfahren. Und dann, wenn die Flughafentür sich öffnet, treffen Dich Hitze und Luftfeuchtigkeit wie ein Schlag und Du blickst in fremde Gesichter. Auf einmal bist Du ganz woanders. 

Eine Reise am Boden dagegen ist lang und anstrengend. Viele Tage verbringst Du in Transportmitteln, siehst Leute kommen und gehen, übernachtest an fremden Orten, verweilst und schaust Dich um. Du siehst die Einheimischen ihren Geschäften nachgehen, sich um ihre Kinder kümmern, plauderst mit ihnen, isst die landestypische Kost und ziehst weiter. Und ganz allmählich verändern sich ihre Gesichter, die Landschaft und das Klima auf dem Weg in die Ferne.

So zu reisen kostet viel Zeit, ist altertümlich und macht heute kein Mensch mehr. Naja, eigentlich gibt es doch einige, die gerne mal Marco Polo spielen. Ich bin einer von ihnen. Ich bin von Deutschland nach China ohne Flug gereist.

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Die endlose Weite Sibiriens... (Foto: Ruti)

Die endlose Weite Sibiriens…

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Grober Ablauf

Der Startpunkt meiner Reise war Frankfurt am Main. Dort bin ich am Hauptbahnhof in den Zug gestiegen und habe dann mit Bus, Bahn und Schiff folgende Route in den fernen Osten genommen:

ÖsterreichSlowakeiUngarnPolenLitauenLettlandSchweden – Lettland – EstlandFinnland – Estland – Russland – Mongolei – China

Weiter unten findest Du meine Reiseroute im Detail.

Auf dem Weg durch die Mongolei begegnet man öfter mal Kamelen. (Foto: Ruti)

Auf dem Weg durch die Mongolei begegnet man öfter mal Kamelen.

Organisation

Ausschließlich mit Bus, Bahn und Schiff bis nach China zu reisen, hört sich kompliziert und wahnsinnig planungsaufwendig an. Eigentlich ist es jedoch ziemlich einfach.

Was Du brauchst, ist Zeit. Ich habe von meiner Abreise in Deutschland bis zur chinesischen Grenze knapp zweieinhalb Monate benötigt. Das ist schon ziemlich schnell. Vor allem in Europa war mein Programm stramm.

Die Straßen von Warschau (Foto: Ruti)

Die Straßen von Warschau

Reiseroute

Ich wollte unbedingt mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland fahren. Deshalb stand für mich fest, dass mein Weg nach Asien durch das größte Land der Welt führt.

Wenn Du von Mittel-Europa nach Russland willst, hast Du 3 Möglichkeiten:

  1. durch die Ukraine. Dafür hätte ich als EU-Bürger nicht mal ein Visum gebraucht.
  2. durch Weißrussland. Dafür wäre ein sogenanntes  Transit-Visum nötig gewesen. Das ist ein Visum, das ausschließlich zur Durchfahrt berechtigt. Nun ist es aber ganz neu möglich, einen Monat ohne Visum in Belarus zu bleiben (bei Levartworld erfährst Du mehr dazu).
  3. durch das Baltikum. Das Baltikum befindet sich ganz im Norden Europas, liegt an der Ostsee, die auch baltisches Meer genannt wird, und besteht aus den Ländern Litauen, Lettland und Estland. Alle 3 sind Mitglieder der EU. Das heißt, hier ist ebenfalls kein Visum nötig.

Ich habe mich für Variante Nummer 3 entschieden. So konnte ich noch kurze Abstecher mit der Fähre nach Stockholm und Helsinki einbauen.

Bierchen auf dem Sonnendeck von Stockholm, Schweden nach Riga, Lettland (Foto: Ruti)

Bierchen auf dem Sonnendeck von Stockholm nach Riga

Visa

Auf dieser Reiseroute kommst Du als Deutscher mit zwei Visa aus: eines für Russland und eins für China.

Ich hatte mir die Dokumente über eine Visa-Agentur in Deutschland besorgt (hier gehts zu meinem Visa-Artikel). Das ist dann mega-einfach, kostet aber mehr, als auf eigene Faust. Über das Russland-Visum weiß ich mittlerweile, dass Du das genauso gut auch selber beantragen kannst. Die benötigte Einladung holst Du Dir am besten trotzdem über eine Agentur. (Infos zum Russland-Visum findest Du bei Russlandjournal.de.).

Bei meinem China-Visum hatte ich Sonderwünsche und war froh, dass sich die Profis darum kümmerten. Bei einem Standard-30-Tage-Visum sollten keine Schwierigkeiten entstehen, wenn Du das auf eigene Faust arrangierst.

Ich hatte ein 3-Monats-Visum für China und beantragte später im gleichen Jahr in HongKong ein neues Visum, weil ich nochmal nach China wollte. Obwohl ich das alte Visum nicht ausgereizt und eine Agentur beauftragt hatte, bekam ich nur nochmal 14 Tage anstelle der 30, die ich gerne gehabt hätte (zu meinem HongKong-Video). Bei Sonderwünschen zicken die chinesischen Behörden offensichtlich manchmal.

Für mehr Informationen verweise ich auf den Blog Sinograph, dem Experten bei China-Fragen.

Diese Sowjet-Militär-Busse der Marke UAZ können alle Geländearten. Sie brachten mich über die Insel Olchon am Baikalsee und durch die Mongolei und durchquerten dabei manchmal auch Flüsse. (Foto: Ruti)

Diese Sowjet-Militär-Busse der Marke UAZ können alle Geländearten. Sie brachten mich über die Insel Olchon am Baikalsee und durch die Mongolei und durchquerten dabei manchmal auch Flüsse.

Für die Mongolei brauchte ich als Deutscher übrigens kein Visum. Ich durfte 30 Tage ohne bleiben. Als ich in der Bahn auf dem Weg nach UlanBataar ohne Visum saß und alle anderen EU-Bürger, Holländer, Engländer und so, eins hatten, wurde ich schon nervös. Aber Deutschland hat ein spezielles Abkommen mit der Mongolei und die Einreise klappte zum Glück problemlos.

Bevor Du eine solche Reise machst, solltest Du aber auf jeden Fall nochmal im Internet beim Auswärtigen Amt überprüfen, ob sich in Sachen Visa was geändert hat.

Bus oder Bahn? Gut, wenn man die Wahl hat

Bei der Planung der Reise fiel mir als erstes das Interrail-Ticket ein. Es stellte sich aber ziemlich schnell heraus, dass sich das für mich nicht lohnte, da das Ticket einige Länder nicht abdeckt und ich gezwungen gewesen wäre, immer mit dem Zug zu fahren. In Europa ist Busfahren deutlich billiger als die Eisenbahn und es gibt so gut wie immer gratis WLAN. Ohne Bindung an ein Verkehrsmittel konnte ich stets frei wählen, mit dem Schiff von Wien nach Bratislava über die Donau fahren und über die Ostsee nach Skandinavien schippern.

Kein Orga-Stress!

Ansonsten musst Du Dir vorher keinen Orga-Stress machen. Bleib einfach solange, wie Du Bock hast, an den jeweiligen Orten und buche dann übers Internet oder auch vor Ort ein Ticket zum nächsten Reiseziel. Ich habe das immer ein bis zwei Tage vor meiner Weiterreise gemacht. Spontan zu entscheiden, irgendwo hinzufahren, wovon Dir abends beim Bier ein anderer Reisender erzählt, ist kein Problem und gerade in Europa total easy. Bis zur russischen Grenze wollte nicht ein einziges Mal jemand meinen Ausweis sehen.

Bei aller Spontaneität solltest Du bei den Visa-Ländern im Auge behalten, wie lange Du im Land bleiben darfst. Für Russland sind das in der Regel 30 Tage und mit abgelaufenem Visum an der Grenze zu stehen, ist keine gute Idee.

Unterwegs habe ich immer wieder interessante Bekanntschaften gemacht. Hier: Südafrikaniker in der Transmongolischen Eisenbahn. (Foto: Ruti)

Unterwegs habe ich immer wieder interessante Bekanntschaften gemacht. Hier: Südafrikaniker in der Transmongolischen Eisenbahn.

Russland

Über die Eisenbahn in Russland hatte ich vorher viel gelesen und oft hieß es, es sei schwer Fahrkarten zu kaufen, wenn man kein Russisch spricht und die Bahnen seien oft lange im Voraus ausgebucht. Deshalb hatte ich die Fahrten von St. Petersburg nach Moskau, von Moskau nach Irkutsk in Sibirien und dann weiter in die Mongolei und nach China im Internet über “Real Russia” gebucht. Die machen das super, sind immer erreichbar und helfen einem bei Fragen weiter. Spitze ist vor allem der Zugplaner bei Real Russia (Hier!). Da kannst Du Dir Deine Route zusammenstellen und Preise und Fahrzeiten vergleichen, selbst, wenn Du dort nicht kaufst.

Blick aus dem Zug auf den Baikalsee (Foto: Ruti)

Blick aus dem Zug auf den Baikalsee

Günstiger ist es natürlich, das auf eigene Faust zu machen. Wie Du Dir ein Ticket online besorgst, kannst Du auf Russlande.de nachlesen.

Ich entschied mich spontan, länger in Moskau zu bleiben und es war kein Problem, einen anderen Zug nur wenige Tage vor Abfahrt zu bekommen. So krass waren die Züge also nicht ausgebucht. Zu knapp solltest Du allerdings nicht kalkulieren.

Hier ist sie, meine Reiseroute nach China:

Frankfurt/Deutschland - Wien/Österreich (Zug/ICE/1. Klasse/7 Stunden/720km)

Reisebericht “Thank you for travelling with Deutsche Bahn”, Video Wien

Wien - Bratislava/Slowakei (Schiff/1.25h/80km)

Wien – meine schönsten Bilder, Video Bratislava

Bratislava - Budapest/Ungarn (Bus/3.25h/200km)

Bratislava – meine schönsten Bilder, Video Budapest

Budapest - Krakau/Polen (Bus/ 7h/390km)

Budapest – meine schönsten Bilder

Krakau -Warschau/Polen (Zug/2.Klasse/2.5h/300km)
Warschau - Danzig/Polen (Zug/2.Klasse/3h/330km)

Video Polen

Danzig - Warschau (Bus/4,5h/330km)
Warschau - Vilnius/Litauen (Bus/8h/460km)

Reisebericht Backpacker-Jesus & Bierbrunnen – die Republik Uzupis

Vilnius - Kaunas/Litauen (Bus/1.5h/100km)
Kaunas - Panevezys/Litauen (Bus/1.5h/110km)
Panevezys - Riga/Lettland (Bus/2h/160km)

Video Litauen & Lettland

Riga - Stockholm/Schweden: (Schiff/17h/550km)
Stockholm - Riga: (Schiff/17h/550km)
Riga - Tallinn/Estland: (Bus/4.5h/310km)
Tallinn - Helsinki/Finnland: (Schiff/2.5h/90km)

Video Schweden, Estland, Finnland

Helsinki - Tallinn: (Schiff/2.5h/90km)
Tallinn - St. Petersburg/Russland: (Bus/7.5h/370km)

Video St. Petersburg

St. Petersburg - Moskau: (Zug, 2. Klasse/8h/715km)

Video Moskau

Moskau - Irkutsk: (Transsibirische Eisenbahn, 3. Klasse (Platzkart)/91h/5200km)

Reisebericht Transsibirische Eisenbahn – Mythos und Wahrheit

Irkustk - Olchon im Baikalsee: (Bus und Fähre/7h/350km)
Olchon im Baikalsee - Irkustk: (Fähre und Bus/7h/350km)
Irkustk - Ulanbataar/Mongolei: (Transmongolische Eisenbahn/2.Klasse/1100km/23h)

Videos und Reisebericht Irkustk, Baikalsee

Trip in Mongolei bis zur Wüste Gobi: (8 Tage mit Minibus/1900km)
Ulanbataar - Peking/China: (Zug/2. Klasse/27h/1200km)

Ankunft in Peking, China (Foto: Ruti)

Ankunft in Peking

Was danach geschah

Als ich in China angekommen war, brach ich mir nach einer Woche den Fuß (zum Video), reiste aber weiter ohne zu fliegen. Irgendwann gab ich es dann doch auf, das Reisen auf dem Landweg. Hier erzähle ich über meinen Kampf bis zu diesem Entschluss und meine Art, damit zurecht zu kommen. Falls Du wissen willst, was mittlerweile aus dem Unternehmen Weltreise geworden ist, kannst Du das hier nachlesen.

Anyway: Dieser Trip wird immer eines der dicksten Dinger sein, die ich in meinem Leben gemacht habe. Jedem, der damit liebäugelt, kann ich nur die Worte Erich Rutemöllers zurufen: Mach et, Otze!

In der Mongolei wimmelt es nur so von Ziegen und Schaafen. (Foto: Ruti)

In der Mongolei wimmelt es nur so von Ziegen und Schaafen.