Meine Motorrad-Kleidung für die große Reise

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Auch heute suche ich wieder die eierlegende Wollmilchsau. Es geht um meine Motorrad-Kleidung für die große Reise.

Im Video zeige ich mein Equipment. Du findest es im Titelbild oder wenn Du hier klickst.

Wenn ich mit dem Motorrad unterwegs bin, will ich bei etwaigen Stürzen geschützt sein. Gleichzeitig möchte ich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht schlottern und bei 40 Grad nicht verdampfen. Da das unmöglich ist, benötige ich eigentlich mehrere Outfits, um optimal angezogen zu sein. Diese nehmen aber zu viel Platz weg. Also muss – wieder einmal – ein Kompromiss her.

Motorrad-Bekleidung ist teuer

Einige Unternehmen haben sich diesem Problem angenommen und für Motorrad-Reisende spezielle Klamotten aus Hightech-Materialien entwickelt. Diese kosten allerdings unfassbar viel Geld. Für eine Klim-Jacke kann man schon mal 1000 Euro auf den Tisch legen. Die Hose kostet dann nochmal so viel. Irgendwo muss der normale Mensch da Einschnitte machen. Bei meiner Klamotte habe ich bei einigen Teilen eher in das obere Regal gegriffen, bei anderen die Sparvariante gewählt.

Motorrad-Stiefel

Als ich den Führerschein machte, wusste ich schon, dass ich mit dem Motorrad reisen werde und da ich nicht zwei Mal kaufen wollte, suchte ich direkt Motorrad-Stiefel für die große Reise. Das mussten robuste Schuhe sein, wasserdicht, langlebig, aber dennoch bequem, da ich sie jeden Tag viele Stunden tragen würde. Die Schuhe sollten außerdem auch zum Laufen geeignet sein, wenn ich mir unterwegs mal eine Sehenswürdigkeit anschaue.

Ich las viel in Weltreise-Blogs und Fachblättern und fand heraus, dass Motorrad-Reisende entweder Touren- oder Endurostiefel tragen.

Endurostiefel sind höher und deutlich robuster, meist mit Plastik- oder Metalleinsätzen als Schutz. Zum Schließen verfügen sie über Schnallen. Das erinnert, wie der ganze Stiefel, an einen Skischuh. Ich hatte solche bei meinem Offroad-Kurs an und die waren zum Laufen viel zu unbequem und somit ungeeignet.

Tourenstiefel sind verstärkte Lederstiefel. Sie sind deutlich komfortabler allerdings auch weicher und bieten daher weniger Schutz als Endurostiefel.

Letztendlich habe ich mich für einen Tourenstiefel von Daytona entschieden. Das Modell heißt Touring Star GTX. Das sind wasserdichte, atmungsaktive Stiefel mit einer GORE-TEX-Membran, die mit Reiß- und Klettverschluss schließen. Sie haben 300 Euro gekostet.

Bisher bin ich sehr zufrieden damit und ich glaube auch, dass sie für die große Reise geeignet sind. Beim Enduro-Kurs allerdings meinte der Ausbilder, dass diese offroad viel zu weich seien und er damit höchstens zum Tanzen gehen würde.

Lieber Textil- als Leder-Kleidung

Wenn es um Kleidung geht, ist meinen Recherchen zu Folge Textil für Motorrad-Reisende besser geeignet als Leder. Textil hat mehr Taschen, ist wasserdicht und atmungsaktiver – also anpassungsfähiger, was das Klima angeht. An die Abriebfestigkeit von Leder kommt Textil aber nicht heran.

Motorrad-Hose

Nachdem ich die ersten Fahrstunden absolviert hatte, ging es mir zunehmend auf die Nerven, mich in der Fahrschule immer umzuziehen. Ich wollte meine eigene Hose. Weil ich mich auf die Schnelle nicht für eine bestimmte sauteure Textilhose entscheiden konnte, schlug ich bei einer Motorrad-Jeans zu (Vanucci Cordura Denim Jeans). Das sind Jeans, die mit Kunstfasern verstärkt sind, um eine höhere Abriebfestigkeit zu erhalten. In meinem Fall sind diese Kunstfasern aus Cordura. Das ist zusätzlich noch wasserabweisend und schnelltrocknend. An Hüfte, Knien und Gesäß ist die Hose mit Kevlar – ebenfalls einer zähen Kunstfaser – verstärkt. Zudem kommt die Jeans mit Knieprotektoren.

Eigentlich sollte diese Hose nur eine Übergangslösung sein. Für die Reise  wollte ich mir eine andere Textilhose kaufen, aber die Jeans war so bequem und mit einer billigen Regenhose für 20 Euro, die ich bei Nässe drüber ziehe, absolut wasserdicht. Deshalb trete ich die Reise nun mit dieser an. Dafür habe ich ihr noch Hüftprotektoren (15,-) spendiert, für die die Hose bereits über Taschen verfügt.

Motorrad-Jacke

Bei der Jacke bin ich einen anderen Weg gegangen: Zunächst hatte ich die Idee, mir eine Protektorenjacke mit Armen zu kaufen, über die ich beliebige Jacken oder auch nur ein Longsleeve ziehen kann. Ich kaufte mir die Unterziehjacke nahmens Safe Max, die rundherum über Protektoren verfügt. Das Gewebe, in das diese eingenäht sind, besteht aus Polyamid und Elasthan. Obwohl die Jacke dünn ist, schwitzte ich darin sehr.

Nach einer Weile war klar, dass ich damit nicht auf Reise gehen will. Eine Motorrad-Tourenjacke sollte her. Die Auswahl war schwierig und die Preise derart hoch, dass ich mir auf keinen Fall einen Fehlgriff erlauben wollte.

Schließlich wurde es die Held Carese II mit einem Coolmax-Mesh-Innenfutter, das leicht und schnelltrockend ist. Mit einem Reißverschluss ist eine Regenjacke aus GORE-TEX in der Jacke fixiert. Die kann man rausnehmen und auch über der Jacke tragen, so dass die Textiljacke nicht nass wird. Außerdem verfügt die Carese II über viele Taschen und verschließbare Lüftungsschlitze, durch die der Wind bei Hitze durchziehen und meinen Astralkörper runterkühlen kann. Obwohl die Jacke viel dicker und schwerer ist als die Protektorenjacke, war es darin bei hohen Temperaturen deutlich angenehmer. Ich bin mit der Jacke auch schon in stundenlangem strömendem Regen gefahren und sie blieb 100 Prozent trocken.

Für den Schutz ist sie mit Schulter und Ellbogen-Protektoren ausgestattet. Ein Rückenprotektor war bei der 500 Euro teuren Jacke leider nicht dabei, so dass ich diesen für 30 Euro nachrüsten musste.

Helm

Beim Helm habe ich mich erneut an Weltreiseblogs orientiert und setze mit dem Scorpion ADX-1 auf einen Allrounder. Ich kann ihn mit Vollvisier als auch ohne und dafür mit Motocross-Brille fahren (was ich bisher aber noch nicht gemacht habe) – beide Varianten mit oder ohne Sonnenschild. Weil es sich um einen Klapphelm handelt, kann ich ihn auch als Jethelm fahren. Diese Variante empfinde ich bei langsamem Tempo als sehr angenehm.

Das Visier ist groß und gewährt einen guten Blick. Zudem ist ein Sonnenvisier integriert, das sich mit einem Schiebehebel ausklappen lässt.

Der ADX-1 ist aus Polycarbonat/ABS. Fiberglass oder andere Materialen sind besser, meinten die im Geschäft, aber kosten natürlich auch mehr. Ich denke, bei einem höheren Preis erreicht man auch ein geringeres Gewicht. Denn der ADX-1 wiegt 1600 Gramm. Er ist nicht super schwer, aber es gibt leichtere Helme. Bezahlt habe ich 225 Euro.

Kommunikationssystem

Nach kurzer Fahrzeit mit dem Helm sehnte ich mich nach Musik. Kabelkopfhörer waren die erste Lösung, aber es gibt schicke Bluetooth-Systeme, die man in den Helm integrieren kann. Ich habe mich für das Cardo Freecom 4+ mit JBL-Lautsprechern entschieden. Damit kann man das Handy oder Navi koppeln, Musik hören und sich mit anderen Motorrad-Fahrern verbinden, wenn man mit ihnen auf Tour ist. Über ein mitgeliefertes Mikro wird kommuniziert. Über dieses kann man sein Handy auch per Sprachsteuerung bedienen und natürlich telefonieren.

Ich hatte zunächst keine Handy-Halterung am Motorrad und war froh, dass ich die Navi-Anweisungen so wenigstens hören konnte.

Außen am Helm wird ein kleines Modul angebracht, dass man abnehmen und per Kabel laden kann. Es verfügt über Knöpfe, die sich mit ein wenig Übung auch mit Handschuhen bedienen lassen. Da es wasserdicht ist, kann dem Gerät Regen nichts anhaben. Das Cardo hat 220 Euro gekostet.

Motorrad-Handschuhe

Handschuhe waren ein besonders schwieriges Thema, weil es hier keinen Kompromiss gibt, der mich bei allen klimatischen Bedingungen zufrieden stellt. Dicke Winterhandschuhe nerven im Sommer und dünne Handschuhe sind im Winter zu kalt.

Winter-Handschuhe

Zu Beginn meiner Fahrschule kaufte ich mir bei Lidl CRIVIT Winterhandschuhe für 20 Euro. Sie sind aus Textil mit Ziegenleder- und Kevlar-Verstärkungen, langen Stulpen, Knöchelprotektoren und einer kleinen Gummilippe am Zeigefinger, mit der ich den Regen vom Visier streichen kann.

Obwohl sie im unteren Preissegment sind, halten sie bis zu einem gewissen Grad warm. Allerdings werden meine Finger bei starkem Regen nass. Außerdem ist die Stulpe zu eng, um sie über meine Jackenärmel zu ziehen, so dass der Wind reinpfeifen kann. Aber ich habe mich damit arrangiert und werde sie als Winterhandschuhe fahren.

Spül-Handschuhe

Für starken Regen möchte ich mir noch normale Spül-Handschuhe kaufen in XL. Die ziehe ich dann einfach drüber. Das habe ich in einem YouTube-Video als Tipp erfahren. Wenn es richtig kalt ist, muss ich wohl noch einen Unterziehandschuh drunterziehen.

Sommer-Handschuhe

Als es heiß war, bin ich meistens mit dünnen normalen Lederhandschuhen gefahren. Für die Reise wollte ich aber was Besseres und habe mir dünne, kurze Handschuhe (PROBIKER PRX-16) gekauft, Sie sind auch aus Ziegenleder, durch Perforierungen schön luftig, bieten aber dennoch Schutz durch Knöchelprotektoren und Verstärkungen. 69 Euro habe ich dafür bezahlt.

Skiunterwäsche

Unter den Motorrad-Klamotten setze ich auf Layer. Ich ziehe bei Kälte mehrere Shirts und Hosen übereinander. Dafür nehme ich Skiunterwäsche mit.

Sturmhaube und Multifunktionstuch

Für Kopf und Hals habe ich eine Sturmhaube und ein Multifunktionstuch von Buff dabei.

Das ist alles, was ich an Motorrad-Klamotten mitnehme. Wie gut ich mit diesem Equipment zurechtkomme, wird sich erst noch zeigen. Zur Not muss ich eben nachrüsten.

Radfahrer-Unterhose

Als Reaktion auf das Video dieses Artikels gab mir ein Zuschauer den Tipp, mir eine Radfahrer-Unterhose* (Dies ist ein Affiliate-Link. Wenn Du über diesen Link einkaufst, bekomme ich von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.) zu kaufen. Wegen des eingenähten Polsters reduziere sie die Schmerzen am Gesäß bei langen Etappen. Da ich die bereits auf dem Weg nach Holland gespürt hatte, hielt ich das für eine gute Idee und legte mir vor meiner Abfahrt noch eine zu.

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Kommentare

  1. Hey Ruti,

    sehr interessanter Beitrag.
    Kann es sein, daß du dich bei dem Cardo Freenet 4+ mit JBL-Lautsprechern verschrieben hast.
    Das müsste doch Cardo Freecom heißen… hattest du da gerade eine Freenet eMail-Adresse im Kopf? 🙂

    Grüße Christoph

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