Slow Travel – mit der Fähre von Manila nach Coron

In Philippinen, Reiseplanung, Videos by RutiSchreibe einen Kommentar

Auf Reisen ist das Ziel meist ein traumhafter Ort, aber der Weg dorthin ist das Abenteuer.

Ich reise am liebsten mit anderen Verkehrsmitteln als dem Flugzeug. Das nennt man Slow Travel. Bei Reisen auf den Philippinen steht man der Aufgabe gegenüber, oft recht große Entfernungen überwinden zu müssen. Und da es sich um einen Inselstaat handelt, bestehen diese Entfernungen meistens aus Wasser. Das finde ich besonders schön, denn das Schiff ist mein allerliebstes Verkehrsmittel. Deshalb habe ich mich für meine erste Etappe von Manila auf der Insel Luzon nach Coron auf der Insel Busuanga (gehört zu Palawan) für die Fähre entschieden – und auch, weil die Flüge über 100€ gekostet haben.

Coron befindet sich etwa 440 Kilometer weit weg von Manila. Das Flugzeug benötigt dafür etwa eine Stunde, die Fähre 15.

Es gibt durchaus etwas für das Auge auf so einer Fährfahrt von Manila nach Coron. (Foto: Ruti)

Es gibt durchaus etwas für das Auge auf so einer Fährfahrt von Manila nach Coron.

24 Euro für 15 Stunden Fähre

Ich wusste nicht, was für eine Fähre es sein wird, aber ich ließ es drauf ankommen und kaufte mir ein Ticket in der Economy Class. Das konnte ich bequem über 2Go Travel machen und kostete mich 1547, 59 Peso (24€).

Interessant ist auch, dass man mit dieser Fähre noch bis Puerto Princesa auf Palawan weiterfahren kann. Das sind dann etwa 35 Stunden, kostet aber fast das Gleiche. Die Überfahrt von Coron nach Palawan kostet allein auch nochmal zwischen 1200 und 1600 Peso (zwischen 19 und 25€), je nachdem, welche Fähre man wählt.

4 Stunden im Hafen von Manila

Auf meinem Ticket stand, dass ich es ausdrucken und 4 Stunden vor Abfahrt im Hafen sein muss. Das Ticket auszudrucken, war nötig, warum die Passagiere allerdings so viel früher da sein sollten, blieb mir ein Rätsel.

Wir waren in etwa 5 Minuten auf dem Schiff und lungerten dann noch 4 Stunden im Hafen herum. Einige andere Gäste kamen deutlich später. Ich gebe keine Garantie, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man auch deutlich später erscheinen kann.

Großes Schiff mit offenem Oberdeck

Das Schiff selbst war eine positive Überraschung. Es war groß und verfügte über drei Decks, die von den Passagieren besucht werden konnten. 

Auf dem ersten gab es einen Innenbereich mit Sesseln und einem Shop. Außerdem befanden sich dort die Business-Betten.

Betten, überall Betten

Die zwei anderen Decks waren voll mit Economy-Class-Betten. Es waren hunderte. Die Decks waren wie große Schlafsaal. Die Fenster sind offen. Die Business-Klasse unterschied sich dadurch, dass die Betten etwas besser und der Schlafsaal geschlossen war. 

Der hintere Teil des obersten Decks war offen, halb überdacht und es gab Tische und Stühle. Hier befand sich ein weiterer Shop. Auf dem obersten Deck gab es außerdem eine Raucherecke.

Auf Meer schauen – stundenlang

Ich hatte am Vorabend Max im Hostel kennengelernt, der zufällig auch die Fähre nahm und zufällig auch im gleichen Hostel in Coron gebucht hatte. Mit ihm und einem weiteren Deutschen, den wir dort kennengelernt hatten, verbrachte ich die Zeit auf der Fähre durchgehend auf dem offenen Deck und meist schauten wir raus auf das Meer und sahen Inseln an uns vorbeiziehen bis die Sonne wunderschön im Ozean versank.

So ein Sonnenuntergang auf einem Schiff sehe ich auch nicht alle Tage. (Foto: Ruti)

So ein Sonnenuntergang auf einem Schiff sehe ich auch nicht alle Tage.

Nonstop Karaoke 

Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass Karaoke auf den Philippinen Volkssport ist und das die Filipinos damit bereits vor der Abfahrt begannen und nicht mehr aufhörten. Die meisten sangen schrecklich, aber das war ihnen egal. Sie tranken und hatten einen Riesenspaß dabei.

Auf dem Schiff gab es drei Leute, die das Karaoke ein wenig lenkten. Die Frau unter ihnen war durchaus eine gute Sängerin (es ist die im Video).

Wir kümmerten uns nicht viel um das Karaoke-Treiben, auch wenn es in einer unfassbaren Lautstärke stattfand, die man vielleicht kennt, wenn man schonmal in Südostasien unterwegs war. Wir saßen an der Reling, starrten aufs Meer, lasen oder hörten Musik. 

Gar nicht so schlecht geschlafen

Am Abend gab es ein kleines, aber leckeres Abendessen, das im Ticketpreis inbegriffen war. Danach tranken wir noch ein paar Bier und etwas Whiskey-Cola, bevor ich mich auf meine Liege verabschiedete.

Die Liege war nicht luxuriös, aber sie war besser, als das Bett in meinem Hostel in Manila. Nervig war nur, dass das Licht die ganze Nacht brannte – und je nachdem, wo man lag, lärmten die anderen Passagiere. Max hatte dieses Problem. Zudem war sein Platz direkt am Fernseher, der die ganze Nacht mit Ton lief.

Der Weckruf

Um 3:30 weckte mich der Schiffslautsprecher.

Nach einigen Minuten verstand ich, dass wir das Ziel bald erreichen würden. Es war noch stockdunkel und außer ein paar Lichtern, darunter ein großes Kreuz auf einem Berg, war von der paradiesischen Insel Coron nichts zu erkennen. 

Das ist nicht das schönste Bild, aber ich wollte die Fähre wenigstens einmal von außen zeigen - und low light, hohe Luftfeuchtigkeit und iPhone 6s mögen sich nicht so sehr. (Foto: Ruti)

Das ist nicht das schönste Bild, aber ich wollte die Fähre wenigstens einmal von außen zeigen – und low light, hohe Luftfeuchtigkeit und iPhone 6s mögen sich nicht so sehr.

Pünktlich 15 Stunden nach der Abfahrt in Manila verließen wir die Fähre, liefen an den nach uns rufenden  Tricycle-Fahrern vorbei und machten uns auf den Weg zu unserem Hostel.

Es hat Spaß gemacht, die Fähre anstelle des Flugzeugs zu wählen. Es war ein kleines Abenteuer und für mich die richtige Wahl. Und das Schiff war deutlich komfortabler gewesen, als ich erwartet hatte.

Als die Sonne aufging und ich zum ersten Mal in die Bucht schaute, in die wir im Finsteren eingelaufen waren, wusste ich, es hatte sich gelohnt, die Philippinen zu besuchen.

Die Bucht vor Coron lässt erahnen, warum dies ein paradiesisch schöner Ort ist. (Foto: Ruti)

Die Bucht vor Coron lässt erahnen, warum dies ein paradiesisch schöner Ort ist.

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