Mein Motorrad für die große Reise

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Ich war zwar noch keinen Meter außerhalb der Fahrschule gefahren, hatte aber bereits beschlossen, dass meine nächste Reise auf zwei Rädern stattfinden würde. Für dieses Vorhaben benötigte ich ein Motorrad – aber welches ist das richtige für mich und mein Vorhaben?

Das Video dazu gibts im Titelbild oder wenn Du hier klickst.

Während ich den Sommer über auf meinen Führerschein gewartet hatte, war ich ständig im Internet unterwegs gewesen, um mich einzulesen in die Welt des Motorradreisens. Ein Motorrad für eine Weltreise muss auf jedem Terrain zurechtkommen und niemals kaputt gehen. Das ist natürlich eine Utopie. Aber es gibt einen Markt dafür und die Hersteller bemühen sich, daran möglichst nah heranzukommen. Motorräder, die abseits der Straße fahren können, nennt man Enduros und diejenigen, die beides beherrschen sollen, heißen Reiseenduros. Eine Reiseenduro sollte es also sein.

Globetrotter-Legenden

Ich las viel und lernte die Legenden unter den Reisemaschinen kennen: Triumph Tiger, Honda Africa Twin und Transalp, Suzuki V-Strom oder die BMW GS Reihe – die Auswahl ist genauso groß wie die Unterschiede und Vor- und Nachteile der Maschinen.

Das Anforderungsprofil

Auf dem Motorrad-Weltreise-Blog „Howfarcanwego.de“ fand ich ein Anforderungsprofil für Reise-Motorräder. An diesem hangelte ich mich entlang. Ich lernte, dass Pferdestärken keine große Rolle spielen, Gewicht aber schon. Trotzdem gibt es offensichtlich den Trend, dass Reiseenduros immer schwerer und stärker werden, was wohl auch daran liegt, dass die meisten Menschen fast nie offroad fahren, geschweige denn mit dem Motorrad auf Weltreise gehen. Der SUV-Trend der vierbeinigen Verwandtschaft lässt grüßen.

Wieviel offroad ich fahren würde, wusste (und weiß) ich als Motorrad-Anfänger noch nicht. Aber für eine Weltreise sollte die Maschine das zumindest können.

Irgendwann schoss ich mich auf zwei Modelle ein: Suzuki DR 650 und Yamaha XT 660 R. Beide wiegen unter 200 Kilogramm, sind sowohl Straßen- als auch Gelände-tauglich, verfügen über etwa 45 PS, extrem zuverlässig als auch leicht zu reparieren. Diese Motorräder haben schon vielen Globetrottern treue Dienste erwiesen.

Die 650 DR wird allerdings in Deutschland seit 2001 nicht mehr verkauft und ist folglich etwas in die Jahre gekommen, was für jemanden, der keine Ahnung davon hat, wie man ein Motorrad repariert, nicht gerade von Vorteil ist.

Mythos Ténéré

Es sollte also die Yamaha werden. Nun ergab es sich, dass 2019 eine neue Version der Ténéré-Serie herauskommen sollte. Die Ténéré ist eine XT im Look der Modelle der Rallye Dakar, wo sich Yamaha seit jeher engagiert und einen Mythos geschaffen hat. Die XT 660 Ténéré war in den 80ern zeitweise das meistverkaufte Motorrad Europas. Aber der Trend war auch Yamahas Friend und im Laufe der Zeit wurden die Ténéré-Modelle immer schwerer. Das 2017er Modell wog 211 Kilogramm bei 48 PS.

Nun kam also eine neue Version auf den Markt: die Yamaha Ténéré 700. Wie ich las, war „back to the roots“ das Motto der neuen: 204 Kilogramm bei 73 PS. Yamaha schuf eine für die heutige Zeit leichte Reiseenduro mit vergleichsweise geringer,  aber deutlich höherer Leistung als die der Vorgänger. Außerdem zeichnet die neue Ténéré aus, dass sie kaum Elektronik-Schnickschnack hat. Außer ABS ist nichts drin.

T7 klingt perfekt

Für mich hörte sich das einfach perfekt an. Denn ich machte den A-Führerschein. Das hieß, ich darf damit Motorräder mit mehr als 48 PS fahren und weil ich die Eitelkeit nicht abschütteln kann, sollte sich das möglichst auch an meinem Motorrad zeigen. Trotzdem war die Maschine deutlich leichter als die Konkurrenz. Die wenigen elektronischen Fahrhilfen fand ich gut, weil ich lernen wollte, ein Motorrad ohne diese zu beherrschen. Außerdem hatte ich gelesen, dass es schwierig werden könnte, komplizierte Elektronik auf einer Weltreise reparieren zu lassen.

Neu vs. gebraucht

Mit knapp 10.000 Euro war die Téneré 700 zwar vergleichsweise günstig, allerdings hatte ich eher an etwa die Hälfte der Summe gedacht. Zudem hat eine neue Maschine zwar den Vorteil, dass sie erstmal nicht kaputt gehen sollte, aber es tut auch deutlich mehr weh, wenn sie mal umfällt oder Kratzer bekommt. Gott sei Dank brauchte ich mir darüber keine Gedanken zu machen, da die T7 so heiß begehrt war, dass sie vergriffen war. Vor 2020 würde es keine geben, las ich, und dann wollte ich ja bereits unterwegs sein.

Ich konnte nicht widerstehen

Als meine Führerschein-Prüfung näher rückte, suchte ich nach gebrauchten Modellen und stieß wieder auf die Ténéré 700. Laut einer Anzeige hatte ein Händler zwei Modelle in seinem Laden und dieser Laden war nur 30 Kilometer von mir entfernt.

„Verdammt“, dachte ich. Gleichzeitig hielt ich das aber auch für ein Zeichen. Weil ich Angst hatte, dass es Pech bringen könnte, mich zu sehr mit dem Kauf eines Motorrads zu beschäftigen, bevor ich den Führerschein hatte, beschloss ich, mich nicht weiter darum zu kümmern, bis ich die Prüfung bestanden hatte.

Der Tag meiner Führerschein-Prüfung kam und ich bestand. Noch am selben Tag fuhr ich zu besagtem Yamaha-Händler. Die Strategie, die ich mir zurechtgelegt hatte lautete: Sollte er die T7 da haben und mir verkaufen wollen, ist es Schicksal und es soll so sein. Wenn nicht, dann kaufe ich eben eine gebrauchte.

Es kam, wie es kommen musste und kurz darauf war ich stolzer Besitzer einer nagelneuen Yamaha Ténéré 700.

Meine Yamaha Ténéré 700 auf unserem erstem gemeinsamen Auslandstrip nach Holland. (Foto: Ruti)

Meine Yamaha Ténéré 700 auf unserem erstem gemeinsamen Auslandstrip nach Holland.

Die Vorbereitungen laufen

Mittlerweile sind drei Monate ins Land gegangen. Ich bin 5000 Kilometer mit meiner Luzy, wie ich die T7 getauft habe, gefahren, war einmal in Holland und einmal in Belgien. Gerade kümmere ich mich darum, sie reisefertig zu machen.

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