Meine Holzhütte auf Koh Rong war eher schlicht. (Foto: ruti)

Oh baby I like it raw – Der "Schönwetter-Backpacker"

Ruti Backpacker, Reisephilosophie, Reiseplanung, Storys 3 Comments

Welcher Reisetyp seid ihr?” So lautete der Titel und gleichzeitig die Frage der Blogparade von “reisen-fotografie.de“. Mein Beitrag ist eine Liebeserklärung ans Backpacking – obwohl ich selbst eher der “Schönwetter-Backpacker” bin.

Selbstbestimmung, Freiheit und Abenteuer sind die Werte, die ich auf Reisen suche. Und so schön ein Luxus-Hotel ist, da gibt es das nicht. Ins Flugzeug einsteigen, um dann in den abholbereiten Minibus zu wechseln und in das vorreservierte Zimmer kutschiert zu werden, in dem mir den gesamten Urlaub lang alles vor den Arsch getragen wird, ist der Traum eines Pauschaltouristen. Ich bevorzuge das Leben eines Backpackers und das bedeutet für mich mehr als mein Gepäck in einem Rucksack zu transportieren.

Wenn es nicht hart ist, ist es nicht das Projekt

Mit dem Begriff Backpacking geht eine ganze Philosophie einher, die man mit “Back to the Bascis” überschreiben kann. Zug statt Flugzeug, Public- statt Mini-Bus, Motorradtaxi statt Limousine, local Food statt Schnitzel, Spontaneität statt Planung, zusammengefasst: Straße statt Schickimicki.

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Wenn du so reist, sind da auf einmal nicht nur Touristen um dich herum, sondern echte Einheimische und bei der Ankunft begrüßt einen nicht ein Schild in deutscher Sprache. Außerdem hast Du die totale Freiheit dahin zu fahren, wo du willst und wann du willst. Und Du siehst so viel vom Land, das dir über den Wolken entgeht.

Auch die Tortur gehört dazu. Die geheimen Paradise entdeckt man erst, wenn man die ausgetrampelten Pfade verlässt. Denn bei einer beschwerlichen Anreise, winken die meisten ab.

Und dann bin ich an einer verlotterten einsamen Bambushütte an einem schneeweißen Strand fernab der Zivilsation. Strom, warmes Wasser und Klimaanlage sind hier Mangelware. Nur der Strand, das Meer und ein paar Backpacker – Rutinson Crusoe, hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein.

You don’t know me and you don’t know my style

Woher diese Neigung kommt, weiß ich auch nicht. Aber als Hobbypsychologe habe ich eine Theorie: Meine Eltern sind schuld. Denn die haben mich vom Kleinkindalter an auf Reisen mitgenommen. Und da war viel Rohes dabei:
In Kenia haben meine Eltern einen Jeep gemietet und sind auf eigene Faust auf Safari in Afrika gegangen – ohne GPS, ohne Handy, ohne Fahrer oder Mann mit Gewehr. Klein Ruti hat da auch schonmal in einer Schublade geschlafen. Auf den Malediven wurden wir nicht per Wasserflugzeug zum Luxusresort transportiert, sondern wir schipperten stundenlang mit einem Holzkahn (Dhoni) durch reißende Kanäle zu einer Insel, auf der man von der Außenwelt völlig abgeschnitten und Toast mit Zwiebeln die Hauptmahlzeit war. Und in Brasilien musste der Weg durch den Dschungel erst mit einer Machete freigeschlagen werden.

Anscheinend hat mich das geprägt, denn ich liebe diesen Scheiß immer noch und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage: “Da erlebe ich mehr als im All-Inclusive-Hotel.”

Susanne zur Freiheit

Mehr und mehr kommt eine Abwandlung des Backbackers in Mode, der sogenannte “Flashpacker”. Dieser Reisetypus sucht nach den gleichen Dingen wie seine Urform, nur dass er mehr Geld zur Verfügung hat, etwas älter ist und sich auch mal etwas Luxus gönnt. Der Übergang zwischen den Evolutionsformen ist fließend und ich befinde mich irgendwo dazwischen. Ein geiles Urlaubserlebnis darf auch mal was kosten, und ein gutes Essen verachte ich auch nicht, ebenso, wie eine bessere Unterkunft, besonders in Städten und kälteren Gegenden. Aber am tropischen Strand hab ich es nach wie vor am liebsten “raw” – “Schönwetter-Backpacker” eben.

Die rohe Lebensweise bringt noch einen weiteren tollen Effekt mit sich: dieses wahnsinnige Gefühl, wenn man nach längerer Zeit wieder in die Zivilisation zurückkehrt. Die erste Fahrt auf der Autobahn ist, als würde man auf perfekten Straßen lautlos, schwerelos dahingleiten. Die erste Dusche mit regulierbarer Wassertemperatur will man am liebsten nie mehr verlassen. Und dann lässt man sich auf ein wunderbar sauberes, bequemes, himmlisches Bett fallen. Für einen kurzen Moment sind die Errungenschaften der Zivilisation das Größte. Nur die langen Hosen fühlen sich an den Beinen auf einmal so komisch an.

Viele Leute können den Reisetyp Backpacker nicht verstehen und betrachten ihn mit Abscheu. Selbst meine vielgereiste Mutter sagt immer zu mir: “Du musst doch nicht immer in der schäbigsten Hütte wohnen.” Doch, muss ich.

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