Als Anfänger auf Motorrad-Reise – auf einmal in der Corona-Klinik

In Afrika, Alle, Allerneueste, Marokko, Ruti Rider by RutiSchreibe einen Kommentar

Eigentlich wollte ich nach dem letzten Video erst einmal nicht mehr über die Corona-Krise in Marokko sprechen. Dann aber überschlugen sich hier in Oualidia die Ereignisse.

Das Video zu meinem Aufenthalt in der Corona-Klinik findest Du im Titelbild oder wenn Du hier klickst.

China calling

Ich hatte es mir am Ostersonntag gerade mit dem „Traumschiff in Marokko“ gemütlich gemacht, als es an meiner Tür klopfte. Davor standen mein Vermieter und ein anderer Mann. Sie fragten nach Sen, meinem Ex-Mitbewohner aus China. Von wann bis wann der genau hier gewesen war, wollten sie wissen. Ich antwortete und ging wieder in meine Wohnung.

Als ich einen Blick aus dem Fenster war, sah ich, dass sich vor unserem Haus einige Autos versammelt hatten, unter anderem die Polizei.

Als ich runter ging, um nachzusehen, was da los ist, erfuhr ich, dass China gemeldet hatte. Sen sei dort positiv auf Corona getestet worden.

Zum Test ins Krankenhaus

Nach einigem Hin und Her und viel Warterei sollten wir sechs anderen, die mit Sen im gleichen Haus gewohnt hatten, zu einem Corona-Test in ein 80 Kilometer entferntes extra dafür eingerichtetes Zentrum gebracht werden.

Zuvor wurde ich noch mit dem Auto durch das Dorf gefahren, um alle Geschäfte zu zeigen, von denen ich wusste, dass Sen sie besucht hatte. Wie ich später erfuhr, wurden daraufhin einige davon für 2 Tage geschlossen.

Für die Fahrt ins Corona-Center wurden wir separiert. Ich fuhr alleine in einem Krankenwagen.

Dort angekommen, wurden wir alle zusammen in einen Bereich eines Krankenhauses gebracht, der als Corona-Station dient. Warum genau wir erst separiert wurden, habe ich nicht verstanden.

Ich muss dazu sagen, dass vor uns noch nie jemand in dem Corona-Bereich war. In dieser Gegend hatten sie das zum ersten Mal.

Isolierstation

Der Bereich hatte 3 Zimmer, 3 Toiletten, wovon aber nur eine zum sitzen war, 2 Duschen und einen Flurbereich. Nach außen hin waren die Türen verriegelt.

Nachts um 1 Uhr wurde dann der Test gemacht. Von drei in Schutzanzügen Vermummten.. Überhaupt waren alle Leute, die zu uns kamen, komplett zugeklebt. Es war wie im Film.

Alle Leute waren allerdings nicht viele, weil sich außer bei den Essenlieferungen nie jemand blicken ließ. Es gab aber einen Knopf, den wir drücken konnten, wenn wir was wollten. Aber außer raus wollte ich nichts.

Der Test

Der Test wird mit einem langen etwas dickeren Wattestäbchen gemacht. Das steckten sie mir in die Nase und als es ganz tief drin war, drehten sie es einmal. Nicht so schlimm, aber auch nicht geil.

Dann hieß es warten auf das Ergebnis. Das konnte bereits morgen früh da sein oder erst in 48 Stunden.

Ungewollte Berühmtheit

Als ich aufwachte, hatte ich ungewöhnlich viele Nachrichten auf meinem Handy. Die meisten stammten von Leuten aus Oualidia oder mit Verwandten dort. Irgendwie hatten sie gehört, dass Sen positiv war oder wir alle. Sie machten sich Sorgen und wollten wissen, ob das denn stimme.

Andere hatten ziemlich genaue Informationen und auch unsere vollen Namen. Das war in so fern unangenehm, weil einige Leute uns Vorwürfe machten und Unwahrheiten auf Social Media verbreiteten.

Über Social Media erfuhren wir dann auch unsere Ergebnisse. Am Nachmittag schrieben mehrere Leute, dass wir alle negativ seien. Wir aber hatten keine Informationen bekommen. Erst Stunden später am Abend erhielten wir die gleiche Nachricht und die, dass wir am nächsten Morgen raus dürfen.

Ein Test muss wiederholt werden

Am nächsten Morgen allerdings erreichte uns die Nachricht, dass ein Test (nicht meiner) wiederholt werden müsste. Ich wollte das nicht verstehen und verlangte nun, nach zwei Tagen, mal mit einem Arzt zu sprechen. Der kam dann auch und erklärte mir, dass eine Probe keine Zellen aufwies und der Test deshalb wiederholt werden müsse.

Wir negativen hätten zurückfahren können, aber wir wollten unsere Gefährtin nicht allein lassen. Der Test könnte aber noch am Abend zurück sein und dann könnten wir alle zusammen nach Hause fahren. Also warteten wir wieder.

Zurück

Irgendwann entschied ich, dass ich auf keinen Fall eine weitere Nacht bleiben, sondern am Abend zurück nach Oualidia fahren wollte. Alle bis auf Youssif fuhren ebenfalls mit. Er blieb als Übersetzer und natürlich moralische Unterstützung.

Als bürokratisch deutsch geprägter Mensch habe ich beim Verlassen des Krankenhauses nach Papieren gefragt oder dem Test oder irgendeiner Bescheinigung, auf der steht, dass ich da war und was gemacht wurde. Sowas habe ich aber nicht bekommen. Weil das alles nichts gekostet hat für mich, bekäme ich auch keine Papiere, hieß es. Aber der Chefarzt hat mir seine Nummer gegeben. Ich glaube, um mich zu beruhigen.

Das Haus war während unserer Abwesenheit desinfiziert worden. Ich hatte allerdings den Schlüssel meiner Wohnung mitgenommen, so dass sie die nicht desinfizieren konnten.

Im Internet habe ich gelesen, dass sich der Virus auf manchen Oberflächen bis maximal 3 Tage halten kann. Das ist natürlich gefährliches Halbwissen, aber Sen ist schon eine Woche weg.

Wieder vollzählig

In der Nacht bekam ich erneut Nachrichten. Darin wussten die Leute, dass ein Test fehlte und sie wussten auch den vollen Namen von wem. Sie wollten wissen, was damit sei. Ich glaube, jeder im Dorf, weiß jetzt von uns.

Am nächsten Nachmittag kamen auch die beiden anderen zurück. Der Test war negativ.

Einen Großeinkauf hat man uns noch gestattet. Nun dürfen wir 2 Wochen lang das Haus nicht verlassen. Das ist aber viel weniger schlimm als im Krankenhaus. Dort hätte ich kein Sonnenlicht gesehen. Hier habe ich meine Dachterrasse. Auf der sitze ich nun und hoffe nach dieser Ostergeschichte erst einmal ruhigere Tage zu erleben. In schā‘ Allāh.

Mehr übers Motorrad-Reisen

Diesen Beitrag teilen

Schreibe einen Kommentar