Die eindrucksvollen Berge von Guangxi auf dem Weg nach Yangshuo (Foto: Ruti)

Weltreise mit Sidequests

Ruti Reisephilosophie, Weltreise 3 Comments

“In Computerspielen […] sind Quests annehmbare Aufträge […]. Unterschieden wird zwischen Haupt- bzw. Mainquests und Neben- bzw. Sidequests, wobei die Hauptquests in der Regel die Geschichte vorantreiben und die Nebenquests eher dazu dienen, die Charakterwerte des Spielers zu erhöhen, Schätze zu finden und seine Ausrüstung zu verbessern.[9] Jede Quest basiert auf einem einfachen Muster, das vom Spieler schnell verstanden wird: Der Held muss einen bestimmten Ort erreichen, etwa um ein wichtiges Objekt zu finden, ein Rätsel zu lösen, einen Feind zu besiegen oder eine Person zu befreien. Dabei schart der Suchende oft auch Reisegefährten um sich, die ihm bei der Ausführung seines Auftrags mit ihren speziellen Fähigkeiten zur Seite stehen und eventuell Kosten verursachen. Häufig werden auch Objekte – etwa Waffen oder magische Gegenstände – eingesammelt, die eine ähnliche Funktion erfüllen.”Wikipedia.

Mehr als 3 Monate bin ich nun auf Weltreise. Über 17.000 Kilometer habe ich zurückgelegt, ohne ein einziges Mal ein Flugzeug zu besteigen (Bericht: von Deutschland nach China ohne Flug). Das hat riesigen Spaß gemacht. In den vergangenen Wochen hat mich dieses Dogma jedoch mehr und mehr genervt.

Ich hatte mir das Umrunden der Welt ohne Flugzeug als tollkühnen Abenteuerplan vorgenommen. Nicht zu fliegen ist die totale Freiheit, dachte ich. In Wirklichkeit ist es aber eine krasse Einschränkung dieser.

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Der Weg zur Erkenntnis führt über einen Leidensweg

Begonnen hat der Prozess des Umdenkens mit meiner Fußverletzung. Aufgrund eines kaputten Bandes und eines angebrochenen Knöchels war zunächst einmal Sense mit Herumlaufen. Ich habe dadurch einen Monat in China rumgelungert, in dem ich eigentlich kreuz und quer durch das Land fahren und es besichtigen wollte. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind hier mit Wandern und Bergen bzw. Treppen verbunden. Auf jeden Fall muss man gut zu Fuß sein.

Auf der anderen Seite habe ich durch die Pause gelernt, einen Gang runter zu schalten. Vorher bin ich schon ein wenig von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gehetzt, obwohl das gar keine Not tat. Wenn ich eines habe, dann ist das Zeit. Aber das nur am Rande.

Ich muss es durchziehen

Zurück zu der Fluggeschichte: Vor meiner Abreise aus Deutschland habe ich mit Freunden, nennen wir sie hier Björn und Anja, ausgemacht, sie Anfang August in Südostasien zu treffen. Nachdem mich die Verletzung lahmgelegt hatte, war ich mir nicht sicher, ob ich es bis dahin so weit in den Süden, Laos war als Treffpunkt geplant, schaffe. Also schrieb ich ihnen, dass sie ihren Urlaub erstmal ohne mich planen sollten.

Das stieß bei meinen Freunden auf wenig Verständnis. Ich könnte doch fliegen, meinten sie. Aber ich hatte mir doch diese Regel auferlegt und sie in meinem Blog und den sozialen Medien publik gemacht. Jetzt auf einmal zu fliegen, wäre ja quasi wie versagen.

Ein neuer Plan

Nun hatte ich während meiner Genesungspause ordentlich Zeit, darüber nachzudenken. Um meine Freunde doch noch treffen zu können, hatte ich beschlossen, mein Visum mit einer zweifachen Einreiseerlaubnis nach China dafür zu nutzen. Die erste Einreise hatte ich bereits von der Mongolei aus genutzt. Die zweite sollte ursprünglich für einen Abstecher nach Hongkong dienen. Denn Hongkong gehört zwar zu China, aber Visa-technisch gilt ein Abstecher dorthin als Ausreise aus China. Wenn ich wieder zurück wollte, brauchte ich eine zweite Einreiseerlaubnis.

Mein neuer Plan war nun, nach Südostasien auszureisen, meine Freunde dort zu treffen und dann wieder nach China zurückzukommen, um mir das anzuschauen, was ich eigentlich schon im ersten Törn sehen wollte. Danach würde ich dann nach Hongkong fahren und mir dort ein neues Visum für China besorgen, damit ich wieder durch die Volksrepublik nach Südostasien ausreisen kann. Das wäre ein Extra-Weg von mehreren 1000 Kilometern in Ländern, wo das Transportsystem eher bescheiden ist.

Grenz-Hickhack um Myanmar, Indien, Tibet, Nepal und China

Meine Freunde hatten meine Bitte angenommen, ohne mich zu planen und mittlerweile beschlossen, lieber nach Myanmar als nach Laos fahren zu wollen. Für mich entstand dadurch das nächste Problem. Denn die Landgrenze zwischen China und Myanmar ist eigentlich für Touristen gesperrt und ich brauche neben des Visums eine spezielle Genehmigung. Nach stundenlanger Recherche und einem Dutzend E-Mails fand ich heraus, dass diese Spezialgenehemigung alleine 150 Euro kostet und es nicht sicher ist, ob ich sie bis Anfang August überhaupt bekomme. Außerdem mir wurde abgeraten, die Grenze ohne Guide zu überqueren. Warum, habe ich nicht verstanden.

Außerdem möchte ich gerne noch nach Nepal. Allerdings wollte ich ja erst zurück nach China, weil ich durch die Fußverletzung dort ja alles verpasst hatte.

Der Weg von China nach Nepal führt durch Tibet. Und Tibet kann man auch wieder nur mit Spezialgenehmigung bereisen, im Moment auch ausschließlich in einer geführten Tour. Also müsste ich erneut durch Myanmar und dann nach Indien reisen. Das wären zwei Visa plus eine weitere Spezialgenehmigung. Zudem machen sie die Grenze zwischen Myanmar und Indien auch ab und an mal dicht.

Mo’ Countries Mo’ Problems

Weil ich davon so genervt war, hatte ich als Abwechslung mal andere Routen abgecheckt zu Orten, die ich auch gerne besuchen möchte. Unter anderem, wie ich auf die Philippinen kommen kann. Das geht mit dem Schiff von Malaysia aus. Allerdings ist der Seeweg gerade extrem gefährlich wegen Piraten und diesem IS. Mit einem Sack überm Kopf in einem YouTube-Video aufzutauchen, ist dann doch nicht die Art von Abenteuer, die ich gesucht habe.

Eine andere Freundin fragte mich, ob ich nicht nach Sri Lanka kommen will, um sie dort zu treffen – im November ungefähr. Das wäre der erwähnte Weg durch Myanmar und einmal quer durch Indien, was nicht gerade ein kleines Land ist. Wie ich von der Südspitze des Subkontinents nach Sri Lanka gelangen kann, habe ich dann gar nicht mehr recherchiert.

Die Lösung: Weltreise mit Sidequests

Ich glaube, es ist deutlich geworden, welche Schwierigkeiten der Flugverzicht mit sich bringt. Ich war in den letzten Tagen nur noch gestresst davon. Das mit dem Nicht-Fliegen finde ich nach wie vor cool und ich reise viel lieber mit Zug, Bus oder Schiff und will das auch weitgehend so beibehalten. Aber ich habe keinen Bock die Hälfte meiner Reise mit Planspielen zu verbringen, die mich nerven.

Die Lösung ist das Questprinzip von Videogames: Die Hauptroute kann ich so durchspielen. Es gibt dabei eine extrem schwierige Challenge: Die Überquerung des Pazifiks. Will ich aber Traumorte abseits dieser Route besuchen und Freunde zu einem bestimmten Zeitpunkt an bestimmten Orten treffen, muss ich Sidequests machen. Und in meinem Spiel erreiche ich die mit dem Flugzeug. Und wenn ich auf der Hauptroute Probleme kriege, kann ich durch meine in den Sidequests erworbenen Fähigkeiten eine Flugmaschine nutzen.

Nennt es aufgeben, cheaten oder wie ihr wollt, aber ich mache das, weil die Weltreise die Erfüllung meines Lebenstraumes ist und ich mich nicht von einem selbstauferlegten Zwang kasteien lassen will. Freiheit ist, sich alle Möglichkeiten offen zu lassen. Diese Erkenntnis haben mich die ersten Monate meiner Reise gelehrt.

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