Nachts habe ich noch nette Leute kennengelernt. (Quelle: weide)

Reise nach Jerusalem

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Eigentlich war ich wegen Eintracht Frankfurt nach Israel gekommen. Die Auslosung in der Europa League hatte es so gewollt. Das Spiel fand in Tel Aviv statt. Da man aber nicht alle Tage in das Land der Bibel kommt, wollten mein Kumpel Weide und ich auf jeden Fall noch etwas mehr davon sehen. Eine Reise nach Jerusalem durfte da natürlich nicht fehlen.

Ursprünglich wollten wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Jerusalem fahren. In Tel Aviv haben wir aber drei Jungs (Maiko, Moritz und Torben) getroffen, die sich schlauerweise ein Auto gemietet hatten und uns netterweise mitnahmen.

Maiko, Du bist ein Teufelskerl!

Gegen Mittag quälten wir uns erst durch den dichten Verkehr in Tel Aviv bis auf die Autobahn. Die Landschaft ist karg und bergig und sieht aus wie bei “Das Leben des Brian”. Nach 40 Minuten hatten wir Jerusalem erreicht, wo erneut dichter Verkehr herrschte. Ich hätte dort nicht unbedingt fahren wollen. Aber unser Fahrer Maiko hat sich perfekt den Gepflogenheiten angepasst und das unfassbar souverän gemacht. Hupend und wild die Spur wechselnd bewegten wir uns fort.

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Die Altstadt in Jerusalem (Quelle: ruti)

Die Altstadt in Jerusalem

Wir fuhren erst einmal in Richtung “Old City”. Das ist dort, wo sich die heiligsten Gebäude befinden. Unsere drei Begleiter hatten in dieser ihr Hotel, wir dagegen außerhalb. Da man in die “Old City” nicht mit dem Auto hineinfahren kann, beschlossen wir, das Vehikel im Parkhaus unterzustellen, unsere Zimmer zu beziehen und uns dann in der “Old City” wieder zu treffen.

Unser Hotel fanden wir recht schnell. Es lag direkt neben einem 24-Stunden-Supermarkt, der gleichzeitig auch die Rezeption darstellte. “Rezeption” konnte man das allerdings nicht nennen. Der Typ an der Kasse fertigte zwischen dem Abkassieren der Kunden die Hotelgäste mit ab. Er erzählte uns, dass wir zu früh seien und unser Zimmer noch nicht beziehen könnten. Wir dürften aber unsere Koffer hinter der Kasse abstellen, wenn wir solange weggehen wollten. Wir glaubten dem Mann, dass er auch für das Hotel zuständig war, deponierten unser Zeug dort und zogen los.

St. Mark Street

Jerusalem ist eine 2-in-1-Stadt. Zum Einen ist es eine Großstadt, die optisch nicht sonderlich beeindruckt. Und dann ist da noch die wunderschöne “Old City”. Innerhalb einer dicken Mauer befinden sich verwinkelte Gassen, Unmengen von Shops und Essensläden und einige der berühmtesten religiosen Stätten der Welt.

Als wir die Altstadt betraten, hatten wir nicht den blassesten Schimmer, wo wir hinwollten und liefen einfach in die erste enge Gasse hinein. Es war die “St. Mark Street”. Da mein Kumpel “Mark” heißt, war das Straßenschild direkt der erste Picture-Point für uns.

Durch die engen Gassen drängten sich unzählige Gläubige und Touristen. Es waren auch einige geführte Gruppen dabei, denen der Reiseleiter die bedeutenden Flecken erklärte. Oft wussten wir nicht, was da gerade zu sehen war, aber wenn besonders viele Leute davor standen, machte ich sicherheitshalber auch ein Foto davon.

Nick’ mit dem Kopf wie’n Jude an der Klagemauer

Irgendwann kamen wir auf einer Anhöhe aus dem Gewühl, von der aus ein großer Platz zu sehen war. Dort erblickten wir etwas, das auch wir kannten: die Klagemauer.

Da ist sie - die Klagemauer. (Quelle: ruti)

Da ist sie – die Klagemauer. 

Die Mauer mit eigenen Augen zu sehen, war ein aufregendes Gefühl und wir beschlossen näher heranzugehen. Dafür mussten wir aber zunächst eine Sicherheitsschleuse passieren. Mitten in diesem heiligen Bezirk standen mit Maschinengewehren bewaffnete Männer und wir mussten wie am Flughafen unsere Taschen auslerren und Rucksäcke und Taschen wurden durchleuchtet.

Die Klagemauer ist durch einen Zaun in der Mitte getrennt – der rechte Teil ist für die Frauen und der linke viel größere für die Männer. Etwa 30 Meter von der Mauer entfernt ist ein weiterer Zaun aufgebaut, der den heiligen Bereich abschirmt. Man kann aber auch ganz nah herangehen. Dafür muss man aber eine Kopfbedeckung aufsetzen. Gratis-Kippas kann man sich aus einem Behälter nehmen. Der Anblick war beeindruckend. Es war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Juden standen in ihrer typischen religiösen Kleidung kopfnickend vor der Mauer und beteten oder steckten Zettelchen hinein.

Zuvor hatten wir überall gelesen, dass man angemessene Kleidung tragen müsse und extra lange Hosen angezogen. Es gab aber eine Menge Touristen, die in sehr kurzen Hosen dort waren, was offenbar toleriert wird. Einige Eintracht-Fans schossen sogar Fotos mit freiem komplett tätowiertem Oberkörper vor der Mauer. Kann man machen – muss man aber nicht unbedingt.

Kein Zutritt zum Tempelberg

Fotos von den Sicherheitsschleusen wurden allerdings nicht toleriert. Da schritten die Beamten direkt ein.

So sieht es aus im Inneren der heilgien Stadt. (Foto: ruti)

So sieht es aus im Inneren der heilgien Stadt. 

 

Auf dem Weg nach draußen entdeckten wir den Klagemauer-Tunnel und marschierten hinein. Es dauerte aber nicht lange, bis wir wieder rausgescheucht wurden. Offenbar war er bereits geschlossen, vielleicht auch weil es Freitagnachmittag war und der Sabbat, der jüdische Ruhetag, angefangen hatte.

Zum Felsendom durften wir auch nicht. Das ist das Gebäude mit der goldenen Kuppel. Von hier aus soll Mohammed in den Himmel aufgefahren sein. Nicht-Muslime haben aber nur an manchen Tagen Zutritt. An diesem offensichtlich nicht und uns konnte man offenbar ansehen, dass wir keine Moslems waren.

Grabeskirche nicht gefunden

Unsere Freunde wohnten in der Via Dolorosa. Das ist der Kreuzweg, den Jesus gegangen ist. Zusammen wollten wir diesen ablaufen. Römische Zeichen an den Wänden entlang des Weges geben an, das hier etwas Besonderes passiert ist. In Weides Reiseführer stand das in etwa so: 3. Jesus stürzt zum ersten Mal, 5. Simon hilft Jesus beim Tragen des Kreuzes, 7. Jesus stürzt zum zweiten Mal, 8. Jesus begegnet den weinenden Frauen, 9. Jesus stürzt zum dritten Mal.

Die Via Dolorosa - der Kreuzweg Jesu

Die Via Dolorosa – der Kreuzweg Jesu

Am Ende des Weges trifft man normalerweise auf die Grabeskirche. Dort ist Jesus gekreuzigt und begraben worden. Wir hielten uns eigentlich genau an die Karte, verliefen uns aber trotzdem mehrfach und mussten uns schließlich den Weg weisen lassen. Irgendwie war es peinlich, dass wir eines der berühmtesten Gebäude dort nicht finden konnten. Die Leute, die wir fragten hielten uns auch für Trottel, glaube ich.

Menschenmengen in der Grabeskirche

Als wir an der Grabeskirche ankamen, war dort eine riesige Menschenansammlung. Andere hatten wohl keine Probleme gehabt, sie zu finden. Gleich am Eingang ist ein großer Stein in den Boden eingelassen, um den sich die Gläubigen scharten, um ihn zu berühren. Wie die Leute da abgingen, war ganz schön krass. Den Tränen nahe Frauen legten ihre Gesichter auf den Stein oder Bilder von Heiligen und wischten ihn immer wieder mit Tüchern ab. Eine gelähmte Frau legte sogar ihre Füße darauf. Ob sie danach rausgelaufen ist, habe ich leider nicht gesehen. Wir gingen auf Nummer sicher und berührten den Stein auch. Das konnte schließlich nicht schaden.

Weiter drinnen befindet sich eine Kapelle in der Kirche, als Gebaüde im Gebäude. Vor dem Eingang standen Hunderte an. Das ist der Ort, an dem Jesus begraben worden sein soll. Wir verzichteten auf stundenlanges Warten und fotografierten die Kapelle von außen.

Auch, wenn man nicht so gläubig ist, macht die “Old City” unheimlich viel Spaß. Die heiligen Stätten sind sehr beeindruckend und durch die ganzen Shops und Stände fühlt man sich auch nicht, als würde man stören.

Bier trinken und Shisha rauchen

Nach einigen Stunden gingen Weide und ich zurück zum Hotel. Ich war froh, dass unser Gepäck noch in dem Supermarkt stand, denn ich hatte auch meinen Pass dort gelassen.

Shisha rauchen in der Old City. (Foto: ruti)

Shisha rauchen in der Old City. 

Nach einer Dusche und ein wenig Relaxen gingen wir erneut in die Altstadt, um etwas zu essen. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass es am Sabbat schwierig sei, Nahrung zu bekommen, weil die Juden an diesem Tag nichts machen dürfen. Das kann ich aber überhaupt nicht bestätigen. Innerhalb der Mauer leben neben Juden auch viele Christen und Muslime und für die ist der Sabbat ein ganz normaler Tag.

Wir aßen dann im Hof einer armenischen Kirche zu Abend. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber auch hier war die Kulisse fantastisch und wir stellten uns vor, wie geil hier eine wilde Elektro-Party kommen würde.

Einen Shawarma und ein paar Fleischspieße später gingen wir zu unseren Freunden auf die Dachterrasse. Sie wohnten im österreichischen Hospiz (zur Website). Das ist ein echt schickes Gebäude in perfekter Lage. Dort kann man sogar Sachertorte essen. Eine Frau hatte uns vor dem Essen empfohlen, dorthin zu gehen, um die gute Aussicht zu genießen – und unsere Freunde wohnten da und bezahlten auch noch weniger als wir. Okay, es war ein Mehrbettzimmer im Keller, aber wenn ich nochmal nach Jerusalem komme, nächtige ich auf jeden Fall auch dort.

Die dunklen Gassen der "Old City" haben auch nachts ihren Charme. (Quelle: ruti)

Die dunklen Gassen der “Old City” haben auch nachts ihren Charme. 

Als wir ein paar Bier auf der Terrasse getrunken hatten, gingen die anderen zu Bett. Weide und ich waren aber noch nicht in Schlaflaune und stoppten an einem muslimischen Lokal, das so ziemlich das einzige war, das noch geöffnet hatte. Außer uns befanden sich dort nur rauchende und Karten spielende Einheimische. Sie machten nicht gerade den Eindruck, dass sie begeistert von unserer Anwesenheit waren. Nachdem wir für jeden eine Shisha und ein Bier bestellt hatten, fiel uns auf, dass wir kaum noch Geld in der Tasche hatten. Leichte Panik machte sich breit, als wir erfuhren, dass es in der Nähe keinen Geldautomaten gab und die Telefonanrufe bei unseren Freunden erfolglos blieben.

Nach einigen Spekulationen, was sie wohl mit uns machen würden, wenn wir nicht zahlen könnten, rang sich Weide durch, nach dem Preis zu fragen.

Glücklicherweise oder, wie ich glaube, weil wir den heiligen Stein in der Grabeskirche berührt hatten, reichten unsere Schekel noch aus und wir konnten sogar ein weiteres Bier bestellen. Da war es uns auch egal, dass ein paar Jungs vor dem Lokal sich offensichtlich über uns unterhielten und mit dem Finger auf uns zeigten.

Jerusalem vom Ölberg aus

Jerusalem vom Ölberg aus

Am nächsten Tag versuchten wir noch einmal vergeblich auf den Tempelberg zu kommen und besuchten den Ölberg, wo Jesus verraten wurde und der gleichzeitig ein weiterer schöner Aussichtspunkt ist. Dann verließen wir die heilige Stadt in Richtung Bethlehem, wo wir besetztes palästinensisches Gebiet betreten sollten.

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  1. Pingback: Bethlehem - jenseits der Mauer | RutisReisen

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