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Fick Dich, Dämon! – Der Grund für meine Weltreise

Ruti Reisephilosophie, Storys, Weltreise 12 Comments

Die meisten Menschen fragen nicht danach. Zu offensichtlich scheint der Grund dafür zu sein, warum man auf Weltreise geht. Doch die Motivation für eine Langzeitreise ist ein entscheidender Punkt. Ohne das Warum wird es nie zum Aufbruch kommen. Und die Gründe sollten stark sein. Denn sein aktuelles Leben hinter sich zu lassen, ist kein einfacher Entschluss. Die Zweifel werden kommen – immer wieder.

Ein Träumer

Ich war schon immer von Geschichten über große Reisen fasziniert. Und seit Jahren träume ich davon, selbst einmal hinaus in die Welt zu ziehen.

Viele, die diesen Traum kennen, nutzten die Lücke nach dem Studium, die sich zwischen Ausbildung und Einstieg in die Arbeitswelt auftut. Da steht man noch am Beginn und hat nicht viel zu verlieren. Die Anderen haben den Traum irgendwann aufgegeben oder vergessen. Mein Leben zählt mittlerweile 37 Lenze und man könnte meinen, auch ich habe den Zeitpunkt verpasst.

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Chaos statt Kind und Kombi


Denn mit dem Alter hält der Konservativismus Einzug. Die großen Träume der Jugend verblassen langsam und der Mensch wendet sich dem Bürgertum zu.

Die allermeisten meiner Freunde sind bereits in dieser Phase. Sie leben in Beziehungen, heiraten und ein Leben mit Kind und Kombi rückt in den Mittelpunkt. Mit mir scheint aber irgendwas schief gelaufen zu sein. Denn für mich ist diese Vorstellung ein Graus. Ich liebe die Unabhängigkeit, die Abwechslung, das Ungeplante. Kurz: Ich will Abenteuer erleben.

Der Dämon ist der Grund


Deswegen waren sechs Jahre als Bürohengst auch mehr als genug. Keine Ahnung, wie andere das 40 Jahre durchziehen. Aber mir hatte diese Welt nichts mehr zu bieten. Es war immer nur derselbe Trott mit denselben Motivations-Hymnen für ein Ziel, das mir persönlich total egal ist. Was gibt es mir, wenn mir nach 40 Jahren hinterm Schreibtisch die Hand geschüttelt und erzählt wird, wie wertvoll ich für den Laden war? Am nächsten Tag macht den Job dann ein anderer. Gut, das Geld ist ein Argument. Aber ich glaube nicht, dass ich am Ende meiner Tage auf solch ein Leben zurückblicken will.

Warum ausgerechnet die Weltreise? Ich will unabhängig leben, frei von Verträgen, Zwängen und Weg vom deutschen Spießbürgertum mit seinem Sicherheitswahn. Ich will die Welt sehen und mich an der Freiheit berauschen mit all ihren Sünden. Dieser scheiß Dämon sitzt einfach auf meiner Schulter und ich will nicht, dass er da immer noch sitzt, wenn ich das Zeitliche segne. Er ist der Grund für meine Weltreise.

Glückliche Umstände


Da ich kein guter Sparer bin und meine vielen kleinen Reisen so gut wie alles verschlangen, war die Finanzierung der Weltreise lange ein Problem. Nun bin ich aber durch arbeitsrechtliche Umstände an einen Batzen Geld gekommen. Und den hau ich jetzt raus.

Ins Büro gehe ich mittlerweile nicht mehr, die Wohnung habe ich gekündigt. Mein Hab und Gut verkaufe ich. Ich lasse alles hinter mir. 

Vollgas bis das Licht ausgeht


Möglich, dass ich danach völlig abgebrannt bin und Schwierigkeiten habe, eine neue Arbeit zu finden. Wie die Grille, die den ganzen Sommer fiedelt, während die anderen Tiere Vorräte für den Winter sammeln. Die steht dann blöd da, wenns kalt ist. Aber ich muss das jetzt tun, auch wenn Du später mit dem Finger auf mich zeigst und sagst: “Seht Ihr, das hat man davon, wenn man nicht an morgen denkt und den ganzen Tag nur fiedelt.” Das ist es mir wert.

Ich fände es viel schlimmer, wenn der Dämon mir noch auf dem Totenbett ins Gesicht lacht. Da werfe ich für meinen Traum lieber alles in die Waagschale – Vollgas bis das Licht ausgeht. Fick Dich, Dämon!

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Comments 12

  1. Lebe deinen Traum bis zum letzten Cent. Danach findet sich immer eine Lösung. Falls du jemals zurück kommen solltest, haben wir natürlich immer ein Platz in unserer spießbürgerlichen Wohnung frei. Mein Auto wirst du aber nicht fahren dürfen. 😀

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  2. Bro, vegiss nicht bei mir vorbei zu kommen. Hotel “Thomas” steht dir auf deinem Weg ebenfalls, solange Du willst, zur Verfuegung.

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  3. Pingback: Die Sache mit dem Geld - wie ich die Weltreise finanziere RutisReisen

  4. Ich wünsche Dir eine tolle, aufregende, abenteuerreiche Zeit in der Ferne! Lass es dir gut gehen und genieße jeden Augenblick. Ich kann deine Argumente gut nachvollziehen, also hau rein und komm gesund wieder!

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  5. Wenn dir die Reise wirklich was bringen soll, brauchst du meiner Meinung nach Glück oder musst es bewusst herbeiführen. Ashrams, Meditations-Retreats, Kurse, Coachings, Wunderheiler, all das sind Sachen, die du in Südostasien besonders gut bekommst. Ich schaue mich hier in Indien gerade nach Ashrams um. Ich will mehr als nur eine schöne Reise, und ich glaube, das willst du auch. LG und viel Glück!
    Mikel

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      Hi Mikel,
      Das ausprobieren von solchen Dingen finde ich interessant. Vielleicht täusche ich mich, aber ich glaube nicht, dass ich darauf hängenbleibe. Nach nun 5 Monaten kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich viele Erlebnisse hatte, die ich sonst nicht hätte machen können und viel über andere Kulturen und den Menschen an sich gelernt habe. Außerdem habe ich zig coole Leute kennengelernt. Lebenserfahrung, Weltoffenheit, Freunde und ein klein wenig Weisheit sind doch schon eine ganze Menge oder?

  6. Pingback: Der Dämon lässt sich nicht so einfach ficken oder was aus der Weltreise wurde RutisReisen

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