Ist das Hirse? (Quelle: ruti)

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Ruti Kasachstan, Reiseführer, Storys, Unterkunft 2 Comments

Wenn man vorhat, ein fremdes Land zu besuchen, stellt sich die Frage nach der richtigen Unterkunft. Das Internet ist da eine gute Hilfe. Auf Seiten wie booking.com gibt man sein Reiseziel und die Daten ein und schon spucken sie eine ganze Reihe Hotels aus. Das Angebot reicht von der Besenkammer bis zur Luxus-Absteige. Man versucht anhand von Lagebeschreibung, User-Bewertungen und den Zimmerbildern etwas Passendes auszuwählen. Wie passend die Herberge tatsächlich ist, erfährt man erst vor Ort.

In meinem Fall fiel die Wahl auf das “Guesthouse on Sadovaya”. Drei Nächte in Almaty, Kasachstan gabs dort für 39000 Tenge (180 Euro) im Doppelzimmer mit eigenem Bad, Frühstück inklusive.

“Taxi, Taxi?”

Vor der Abreise schickte mir der Herbergs-Vater Vladimir eine Mail, in der er mir anbot, uns abzuholen. Ich sollte ihm die Flugnummer schicken. Als wir in Almaty landeten und unsere Koffer abgeholt hatten, gingen wir durch die Schiebetür, die an Flughäfen so etwas wie den Eingang zur Welt bedeuten.

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Dort standen etwa 15 Männer, die sofort anfingen, auf uns einzureden: “Taxi, Taxi?”. Weil wir auf Vladimir hofften, winkte ich ab und schaute mich um. Einige Meter weiter standen andere Menschen, die Schilder mit Namen vor sich hielten. Ich durchforstete den Schilderwald nach meinem, jedoch ohne Erfolg. Also machten wir uns auf den Weg zum Ausgang. Mit den Taxifahrern, die uns immer noch umringten, fing ich ein Gespräch an. Sie wollten wissen, wo ich den hin wolle und obwohl ich ihnen mehrfach sagte, dass wir abgeholt werden, ebbte ihr Interesse nicht ab.

Lenkrad rechts, Verkehr auch

Einige Minuten später war immer noch kein Vladimir da. Also dachte ich mir, dass wir evtl. doch ein Taxi brauchen und ich schonmal anfangen könnte zu verhandeln. Ich nannte die Straße, woraufhin sie sich untereinander auf Russich unterhielten. Sie wussten offenbar nicht wirklich, wo meine Straße liegt. Ich packte die Karte aus und begann zu suchen. In dem Moment kam Vladimir.

Der verscheuchte die Taxifahrer. Wir begrüßten uns kurz und er brachte uns in seinem Toyota, der über 800.000 Kilometer auf dem Tacho hatte, zum Hotel. Weil das Lenkrad auf der linken Seite war, dachte ich “Ahh, hier ist Linksverkehr”. Vladimir aber fuhr auf der rechten Straßenseite. In Kasachstan herrscht wie bei uns Rechtsverkehr, es gibt aber viele Autos die das Lenkrad auf der “falschen” Seite haben.

Bekanntschaft mit der Mutter

Das Hotel liegt in einer nicht gerade schönen Straße und der Eingang ist von einem dicken Eisentor versperrt. Als wir reinkamen, war ich alles andere als begeistert. Das Hotel war ein ganz normales Haus von bestenfalls mittelklassiger Schönheit. Wir nahmen in der Küche Platz und Vladimir versuchte uns zu erklären, dass unser Zimmer noch nicht fertig sei. Das hatten wir nicht anders erwartet, denn es war noch früh am Morgen und laut unserer Buchung hatten wir erst ab 14 Uhr Anspruch auf unser Zimmer. Vladimir sagte, dass es nur noch schnell sauber gemacht werden müsse und wir dann gegen 11.30 Uhr reinkönnten. Das war in eineinhalb Stunden.

Also beschlossen wir, einen Spaziergang in der Stadt zu machen. Weil das Hotel in einer Seitenstraße liegt, gehört es zum Service von Vladimir, dass er seine Gäste zu jeder Tages- und Nachtzeit zum zentraler gelegenen Hotel Kasachstan und zurückfährt.

Ziemlich genau um 11.30 Uhr waren wir wieder zurück. Eine alte Frau machte uns die Tür auf und wir teilten ihr mit, dass wir jetzt auf das Zimmer wollen. Daraufhin redete sie auf Russisch auf uns ein. Wir verstanden nicht viel, aber genug, um zu registrieren, dass das Zimmer noch nicht fertig war. Also setzten wir uns wieder in die Küche und während um uns herum hektisches Treiben herrschte und Staubsauger und andere Putz-Utensilien herausgekramt wurden, servierte uns die alte Frau, die wir für Vladimirs Mutter halten, Äpfel und Melonen.

Gemisch aus Milchprodukten. (Quelle: ruti)

Gemisch aus Milchprodukten. (Quelle: ruti)

Joghurt mit körnigem Quark

Als das Zimmer endlich fertig war und wir eintraten, wurden wir positiv überrascht. Es waren zwei große Räume mit Sofa, guten Betten, Flat-TV und modernem Bad. Die Dusche hatte sogar mehrere seitliche Düsen. Bis das Wasser warm war, dauerte es allerdings einige Minuten. Das würde ich in Almaty übrigens nicht unbedingt trinken.

Am nächsten Morgen war in der Küche der Tisch für uns reichlich gedeckt. Anstelle von American Breakfast gab es Hausmannskost von Muttern: Toast, Tomaten, Eier, Paprika, Frikadelle mit Nudeln und einige mir unbekannte Speisen. Obwohl ich nicht so der Frühstücker bin, stachelten mich die fremden Gerichte zum Essen an.

Da war ein Schälchen, in dem Joghurt und irgendein anderes körniges quarkähnliches Milchprodukt drin war. Weil ich nicht wusste, was ich damit anfangen sollte, gab mir die Hausherrin Anweisungen. Ich verstand nur die Hälfte, vermischte beide Substanzen und begann zu essen. Es schmeckte wie Joghurt ohne Geschmack. Hat mich nicht vom Hocker gehauen.

Brocken in der Milch und Hirse

Die Milch war ein wenig gewöhnungsbedürftig. Als ich sie in meinen Kaffee goss, schwammen kleine Teilchen darin, wie bei frisch gemolkener Milch. Sie war nicht verdorben und schmeckte gut, aber mein Kaffee sah echt widerlich aus. Da ist mir Supermarkt-Milch doch lieber.

Im nächsten Schälchen befand sich irgendein braun-weißes körniges Zeug. Ich musterte es, spekulierte auf Hirse und kostete. Auch das war nicht gerade geschmacksintensiv, aber es schmeckte mir besser als der Joghurt. Später erfuhr ich, dass man da Milch reinschüttet und es dann isst. Das ist dann matschiger aber es schmeckt meiner Meinung nach nicht großartig anders. Als Letztes machte ich mich noch über ein Stück Kuchen her, dass ich neben meinem Teller entdeckt hatte.

Eeny meeny miny moe

Bei der Hotelwahl im Internet kommt man sich ein bisschen vor, wie bei dem englischen Kinderreim. In diesem Fall war ich mit meiner Wahl durchaus zufrieden. Okay, die Lage des Hotels hätte besser sein können, aber die Zimmer sind top und Vladimir total hilfsbereit. Das Highlight war die Mutter, die in ihrer Küche ständig etwas schnippelte und servierte. Im Garten wächst übrigens noch ein riesiger Wallnussbaum, an dem man sich bedienen darf.

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