Ruti am Rande des Baikalsees (Foto: Ruti)

Die richtigen Schuhe für die Weltreise

Ruti Reiseorganisation, Weltreise 2 Comments

Egal ob Backpacker oder Flashpacker – wenn Du eine lange Reise tust, wirst Du eines ganz sicher: viel laufen. Deshalb wirst Du bei Deiner Reiseplanung unweigerlich auf die Frage nach dem richtigen Schuhwerk stoßen. Nach 8 Monaten Reise durch verschiedenste Klimazonen und Geländearten inklusive Fußbruch möchte ich meine Erfahrungen und Tipps für die richtigen Reiseschuhe teilen.

Als musikalische Untermalung der Lektüre habe ich “New Shoes” von Paolo Nutini ausgesucht:

Was der Schuh können muss

Die Hauptkriterien, nach denen ich meinen Reiseschuh ausgesucht habe, waren:

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Größe und Gewicht

Auf Reisen muss man sein ganzes Zeug jeden Tag mit sich herumschleppen. Weil das nervt, sollte das Reisegepäck möglichst klein sein. Schuhe sind da ein großer Faktor. Sie sind schwer und sperrig. Um so kleiner und leichter der Schuh ist, desto besser.

Sohle

Da man auf so einer Langzeitreise natürlich viel herumwandert, hohe Berge erklimmt und auch mal Abseits der Straße unterwegs ist, braucht man eine rutschfeste und strapazierfähige Sohle, die auf möglichst vielen Terrains zurechtkommt.

Aussehen

Allerdings ist man nicht nur in der Natur, sondern besucht auch Städte und geht mal in die Oper oder in einen Club. Da will man ja nicht mit Wanderschuhen hingehen. Deshalb muss der Schuh vom Aussehen auch stadttauglich sein.

Haltbarkeit

Auf einer längeren Reise will man nicht ständig neue Schuhe kaufen müssen. Deshalb habe ich am Anfang einmal etwas mehr Geld in einen Schuh guter Qualität investiert, dessen Materialen robust sind und der gut verarbeitet ist.

Ein Dilemma

Die Anforderungen zeigen, dass der Reisende bei der Schuhwahl in einem grundsätzlichen Dilemma steckt. Er will so wenige Paare wie möglich mitnehmen, aber dennoch sowohl für Offroad-Wanderungen im Gebirge als auch für die Tanzfläche in der Großstadt gerüstet sein. Außerdem sollen die Füße in kalten Gegenden nicht frieren, in den Tropen aber auch nicht schwitzen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: den perfekten Schuh, der alle Bedürfnisse 100-prozentig erfüllt, gibt es nicht. Timberland-Stiefel* (alle mit * gekennzeichneten Links sind Werbung) beispielsweise wirken wie die perfekten Outdoor-Schuhe – robust, wasserdicht und dennoch schick. Auf Reisen sind sie allerdings ungeeignet, weil sie viel zu klobig und schwer sind. Und für heiße Gegenden sind sie auch nix. Es muss ein Schuh her, der möglichst vielseitigen Ansprüchen gerecht wird – ein Allrounder.

Für mich ist ein Wanderschuh im Gewand eines Turnschuhs die richtige Wahl. Diese Schuhe sehen aus wie ein Turnschuh, sind also leicht, klein und stadttauglich, haben aber die Sohle und die Materialfestigkeit eines Trekkingschuhs. Bei Netzshopping findest Du jede Menge Modelle dieser Outdoor-Schuhe*.

Geschmacksfragen

Innerhalb dieser Kategorie gilt es dann noch einige Dinge zu entscheiden, bei denen es kein richtig oder falsch gibt. Da geht es mehr um Vorlieben und persönliche Philosophien:

Wasserdicht oder nicht?

Beim Durchqueren von flacheren Gewässern ist ein wasserdichter Schuh praktisch. Hier bin ich auf einem Wasserfall an der Tiger Leaping Gorge in der Provinz Yunnan in China. (Foto: Ruti)

Beim Durchqueren von flacheren Gewässern ist ein wasserdichter Schuh praktisch. Hier bin ich auf einem Wasserfall an der Tiger Leaping Gorge in der Provinz Yunnan in China.

Mit einem wasserdichten Schuh kriegt man keine nassen Füße, wenn man mal durch große Pfützen oder Wasserfälle laufen muss – nur nicht zu tief, sonst läuft das Wasser oben rein. Außerdem schützt ein wasserdichter Schuh besser vor Kälte, weil da nix reinzieht.

Der Nachteil ist, dass auch bei großer Hitze wenig Luft an die Füße kommt. Deshalb entscheiden sich Leute, die nur in heißen Gegenden unterwegs sind, oft für einen Schuh, der zwar nass wird, aber dafür sehr schnell trocknet. Wasserdichte Schuhe brauchen Ewigkeiten, bis sie trocken sind. Schnelltrocknende Schuhe sind auch beim Waschen ein großer Vorteil – vor allem, wenn man am nächsten Tag weiterreisen will.

Ich würde sagen, wenn man auch in der Kälte unterwegs ist, ist ein wasserdichter Schuh besser.

Knöchelhoch oder flach?

Dieser Punkt ist eine Wissenschaft für sich. Zum einen spielt der Wärmefaktor hier wieder eine Rolle. Hohe Schuhe wärmen besser, nerven aber brutal in der Hitze. Außerdem sind hohe Schuhe deutlich sperriger im Gepäck.

Flache Schuhe haben auch Nachteile, aber ob mich ein hoher vor dem Umknicken bewahrt hätte, steht in den Sternen. (Foto: Ruti)

Flache Schuhe haben auch Nachteile, aber ob mich ein hoher vor dem Umknicken bewahrt hätte, steht in den Sternen.

Zum anderen geht es hier um das Verletzungsrisiko. Und da ich auf der Reise umgeknickt bin und mir sowohl die Bänder gerissen als auch den Knöchel angeknackst habe (mehr dazu hier und hier), bin ich jetzt quasi Experte auf diesem Gebiet. Ein hoher Schuh schützt besser vor dem Umknicken. Das ist klar, würde Lucien Favre sagen. Allerdings hat man dann immer eine Stützhilfe an. Die Fußmuskulatur wird bei einem flachen Schuh viel besser trainiert, die dann wiederum davor schützt, umzuknicken. Was richtig ist, weiß wohl niemand. Ich hatte meinen flachen Outdoor-Schuh an, als ich mich verletzt habe und bin dennoch sehr zufrieden mit ihm. Ich bin einfach so dumm in ein Loch im Boden getreten, dass mich wohl auch kein knöchelhoher Schuh gerettet hätte.

Schnürung

Outdoorschuhe haben oft diese komische Zugbandschnürung. Ich war anfangs extrem skeptisch wegen ihrer Haltbarkeit. Der Typ im Globetrotter* hatte mir versichert, dass die Schnürung extrem robust ist, ich aber dachte: “Klar, sagst Du das. Du willst ja auch den Schuh verkaufen.” Aber nun muss ich sagen, dass das System deutlich robuster ist als normale Schnürsenkel. Und gerade in Asien, als ich bei Tempelbesuchen ständig die Schuhe an- und ausziehen musste, hatte ich das mit einem Handgriff erledigt, während die anderen schnüren mussten.

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Meine Wahl

Schlussendlich fiel meine Wahl auf den Adidas Terrex Fast R GTX* , mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe und ihn als geeigneten Langzeitreiseschuh empfehlen kann.

Die Sohle, die von der Reifenfirma Continental ist, ist auf fast jedem Untergrund extrem rutschfest und auch nach 8 Monaten, in denen ich den Schuh fast jeden Tag anhatte, kaum abgerieben. Zudem ist der Terrex wasser- und winddicht. Für anspruchsvolle Gebirgswanderungen ist der Schuh ebenso brauchbar wie für die Straße. Ich würde sagen, wenn Du nicht wirklich ein richtiger Bergsteiger bist, kommst Du mit diesem Schuh in jedem Terrain zurecht.

So sehen meine Adidas Terrex nach 8 Monaten Reise aus. Ich hatte sie fast jeden Tag an. Dafür sind sie noch echt gut in Schuss. (Foto: Ruti)

So sehen meine Adidas Terrex nach 8 Monaten Reise aus. Ich hatte sie fast jeden Tag an. Dafür sind sie noch echt gut in Schuss.

Außerdem eignete sich der Terrex auch überraschend gut als Stadtschuh. Es ist keine Megaschönheit, aber er sieht aus, wie ein moderner unauffälliger Turnschuh (mit einer krasseren Sohle eben). Anfangs hatte ich noch meine blitzweißen Stan Smiths* als zusätzliches Paar extra für Städte dabei. Aber 1. hatte ich die so gut wie nie an und sie waren unnützer Ballast, 2. läuft es sich in den Terrex auf Dauer deutlich bequemer und 3. werden weiße Turnschuhe in manchen Ländern noch immer wie in den 90er Jahren in Deutschland behandelt und man wird gerne mal abgewiesen an der Clubtür. Ein schwarzer Schuh fällt einfach weniger auf. In Peking habe ich dann auch eingesehen, dass die Stan Smiths und ich getrennte Wege gehen müssen und sie schweren Herzens im Hostel zurückgelassen. Was ich damit sagen will: Nehmt nicht irgendwelche Schuhe nur aus Liebe mit.

Ich habe meine Stan Smiths geliebt, aber zum Reisen sind sie unpraktisch. Hier lasse ich sie in Saigon wieder auf Hochglanz bringen. (Foto: Ruti)

Ich habe meine Stan Smith’ geliebt, aber zum Reisen sind sie unpraktisch. Hier lasse ich sie in Saigon wieder auf Hochglanz bringen.

Flip Flops sind Pflicht

Auf jeden Fall dabeihaben solltest Du Flip Flops* oder eine andere Art von Schlappen. Du brauchst sie nicht nur in den Tropen, sondern auch in Zügen in Russland (mehr zu meinem Trip mit der transsibirischen Eisenbahn gibts hier), in Hostelduschen und als Hausschuhe. Wenn Du jeden Tag viel herumläufst, ist es sehr angenehm die Füße abends ein wenig atmen zu lassen. Flip Flops nehmen auch kaum Platz weg und wenn sie durch sind, kannst du Dir überall für kleines Geld neue kaufen.

Flip Flops im thailändischen Sand (Foto: Ruti)

Meine Fake-Havaianas im thailändischen Sand

Fazit

Mein Tipp ist also, einen guten Allrounder im schlichten Turnschuhlook und Flip Flops mit auf eine Langzeitreise zu nehmen. Nicht mehr und nicht weniger.

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Comments 2

  1. Hey Ruti

    Geiler Eintrag! Ich kämpfe momentan mit dem selben Problem. Einen perfekten Schuh für alles scheint es nicht zu geben…leider 🙂

    Du warst ja auch in wärmeren Regionen unterwegs. Wie hat sich da dein Gore Tex Schuh geschlagen? War es nicht unangenehm bei hohen Temperaturen in Gore Tex Schuhen rumzulaufen?

    Gruss aus der Schweiz,
    Patrick

    1. Post
      Author

      Hey Namensvetter Patrick,

      große Hitze ist ein Problem. Mit Gore Tex bleibt der Fuß trocken, aber trotz aller Atmungsaktivität wird er unweigerlich heiß. Wenn Du nur in sehr warmen Klima unterwegs bist, ist ein ganz leichter nicht wasserdichter Schuh wahrscheinlich besser. Der wird dann zwar nass, was bei Temperaturen jenseits der 30 Grad aber kein Problem ist, dafür trocknet er auch schnell über Nacht. War mein Gore Tex Schuh komplett nass – also von innen und außen durchgeweicht – weil ich ihn gewaschen hatte oder mit ihm Schwimmen war, hat es manchmal Tage gedauert, bis er wieder trocken war. Solange er aber nicht komplett durchgeweicht war, war er sehr schnell wieder trocken und da er wasserdicht ist, spielt es keine Rolle, wenn er von außen nass ist.

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