Das Kloster Banteay Kdei in den Tempelanlagen von Angkor. (Quelle: ruti)

Kambodscha – Infos und Beiträge

”Kambodscha ist wie Thailand vor 20 Jahren.” Wenn man als Tourist in das kleine Königreich im Südosten Indochinas reist, scheint dieser Spruch zuzutreffen. Die Infrastruktur ist lange nicht so gut ausgebaut, die Armut ist viel größer und der Tourismus hat das Land noch nicht so eingenommen. Doch Kambodscha ist kein zweites Thailand. Es hat seine ganz eigene Geschichte.

Das Khmer-Reich


Kambodscha war einst die bestimmende Macht in Südostasien und beherbergte die größte Stadt der Welt: Die Hochkultur der Khmer mit ihrer Hauptstadt Angkor.

Angkor bezeichnet strenggenommen die Region. Weltberühmt ist sie durch die bis heute erhaltene Tempelanlage Angkor Wat.

Mit einer Größe von über 200 km² ist sie der größte Tempelkomplex der Welt. Ein Besuch ist ein einzigartiges Erlebnis. In ihrer Blüte lebten in Angkor etwa 1 Millionen Einwohner. Die Khmer regierten ein Reich, das nicht nur Kambodscha, sondern auch Teile Thailands, Laos’ und Vietnams umfasste.

Kambodscha Placeholder
Kambodscha

Infos


  • konstitutionelle Monarchie
  • Hauptstadt: Phnom Penh (1,5 Millionen Einwohner)
  • etwa 14 Millionen Einwohner
  • Fläche etwa halb so groß wie Deutschland
  • Amtssprache: Khmer
  • Währung: Riel
  • eines der ärmsten Länder der Welt
  • 1975-79 Holocaust durch die Roten Khmer 3 Millionen Menschen starben)
  • Angkor Wat: größte Tempelanlage der Welt
  • Grenzen: im westlichen Norden und Westen an Thailand, im Süden an den Golf von Thailand, im Osten an Vietnam und im östlichen Norden an Laos

Im 15. Jahrhundert neigte sich das Khmer-Reich dem Ende, als Thailand und Vietnam immer mehr Land in Kambodscha eroberten. Um nicht komplett ausgelöscht zu werden, bat Kambodscha Frankreich um Hilfe.

Vor allem mit Vietnam führte Kambodscha Jahrhunderte lang Kriege. Deshalb sollte man als Tourist ein wenig Feinfühligkeit zeigen und nicht mit einem Vietnam-Shirt in Kambodscha herumlaufen und umgekehrt.

Französische Kolonie


Von 1863 bis 1953 war Kambodscha eine französische Kolonie. Der Einfluss ist bis heute deutlich zu sehen: Wenn man durch das Land reist, hat man immer mal wieder das Gefühl, dass Bauten wie unüblich große Häuser oder Strandpromenaden so gar nicht in Asien hineinpassen. Das sind die Hinterlassenschaften der Franzosen. Sie hinterließen auch im Essen ihre Spuren. Baguette gibt es in Kambodscha an jeder Ecke zu kaufen.

1953 entließ Frankreich Kambodscha in die Unabhängigkeit.

Schreckensherrschaft der Roten Khmer


1975 stürzten die Roten Khmer das Land in die Dunkelheit. Die Verwicklung in den Vietnamkrieg und ein Bürgerkrieg in Kambodscha begünstigte die Machtergreifung.

Unter ihrem Führer Pol Pot begannen die Roten Khmer direkt nach der Eroberung der Hauptstadt Phnom Penh mit einer Massensäuberung. Die Bevölkerung der Stadt jubelte den Roten Khmern bei ihrem Einzug zu, doch die hatten das Ziel eines kommunistischen Agrarstaates. Sie zwangen die Menschen auf das Land und töteten alle, die die Stadt nicht verlassen wollten auf grausamste Weise. Wenige Tage später war Phnom Penh menschenleer.

Der Massenmord aber ging weiter: Jeder, der auch nur irgendwie gebildet war und eine eigene Meinung haben könnte, wurden ermordet. Es reichte aus, lesen zu können oder eine Brille zu tragen. Ausländer wurden ebenfalls hingerichtet. Innerhalb von vier Jahren wurden 3 Millionen Menschen ermordet oder verhungerten.

Heute kann man das berüchtigte Sicherheitsgefängnis 21 besuchen. Das S-21 war das Folterzentrum der Roten Khmer. Und vor der Stadt gibt es die Killing Fields, wo Massenmorde stattfanden. Wenn ich in Kambodscha erzählte, dass ich Deutscher bin, glaubten die Menschen häufig, dass ich das Leid nachvollziehen könne. ”Wir hatten auch einen Holocaust. Du kennst das ja”, hörte ich nicht nur einmal.

1979 marschierte die vietnamesische Armee in Kambodscha ein und beendete die Schreckensherrschaft der Roten Khmer.

Eines der ärmsten Länder der Welt


Heute ist Kambodscha eine konstitutionelle Monarchie. Das Land ist aber immer noch schwer gezeichnet. Die Nation ist überall vermint und es ist wirklich gefährlich, die Straßen zu verlassen. Menschen, denen Gliedmaßen fehlen, prägen das Alltagsbild. Vor den Roten Khmern war Kambodscha das wohlhabendste Land der Region und wurde die “Schweiz Südostasiens” genannt, heute ist es eines der ärmsten der Welt.

Die Geschichte Kambodschas ist schrecklich, aber das ist sie in Deutschland auch. Die Nation hat viel Tolles zu bieten. Die Schönheit Angkor Wats ist ebenso sehenswert, wie die Trauminseln an der südlichen Küste, der riesige Fluss Mekong oder Bierdosen mit Angkor Wat drauf. Ich konnte auch in Kambodscha diesen Duft der Freiheit riechen, den ich in Südostasien so liebe. Kambodscha braucht den Tourismus, um wieder auf die Beine zu kommen.

Diesen Beitrag teilen

Zur Länder-Übersicht