Schöne Aussicht in Mamallapuram (Foto: Ruti)

Südindien und die Andamanen – Stationen eines Rucksackreisenden

Ruti Backpacker, Indien, Reiseführer, Reiseplanung, Storys, Transport 1 Comment

Es hat lange gedauert, bis ich mich für ein Reiseziel entscheiden konnte. Aber irgendwann stand es fest. Es sollte nach Indien gehen – 3 Wochen lang dahin, wo der Pfeffer wächst.

Nun, da die schwierige Frage des Ziels geklärt war, konnte ich endlich planen. Viele weitere Fragen waren zu beantworten: Wohin will ich genau, wie soll die Route sein, was haben die Orte zu bieten, brauche ich ein Visum und bestimmte Impfungen, wie läuft das mit Flug, Transport und Unterkünften?

Traum von den Andamanen

Der Wunsch, nach Indien zu reisen, war durch die Andamanen und Nicobaren entstanden. Das ist eine Inselkette im bengalischen Golf rund 1400 Kilometer vom indischen Festland entfernt. Nicht zu verwechseln mit den Inseln der Andamanensee an Thailands Westküste.

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Von den Andamanen hatte ich traumhafte Bilder gesehen und tolle Reiseberichte gelesen, einen besonderen Reiz übte auf mich vor allem die abgeschiedene Lage aus (auf einer der Inseln leben die Sentinelesen, das abgeschiedenste Volk der Welt. Steinzeitmenschen, über die man nur wenig weiß, weil sie alles angreifen, was sich der Insel nähert. Mehr dazu hier und hier). Doch, wenn ich schon mal nach Indien reiste, dann wollte ich auch was vom Festland sehen.

1. Route durch Südindien

Also entschied ich mich, zunächst eine Tour vom Südwesten des Subkontinents bis an die Ostküste zu machen und die Inseln danach zu besuchen.

Nach einiger Recherche entstand eine grobe Liste meiner Etappenpunkte. Erst als ich unterwegs war, traf ich die konkreten Entscheidungen. Schlussendlich habe ich folgende Route genommen (Kurzinfos durch Klick auf die Ortspunkte):

Die Orte und was sie zu bieten haben

Viele indische Städte haben zwei Namen, einen alten aus der Kolonialzeit des britischen Empires und einen neuen. Beide Namen sind gebräuchlich.

Thiruvananthapuram oder Trivandrum

Trivandrum war der Startpunkt meiner Reise auf dem indischen Kontinent. Die Stadt liegt im Bundesstaat Kerala. Ich war dort nur, weil es einen internationalen Flughafen gibt, den ich von Frankfurt über Colombo in Sri Lanka anfliegen konnte. Direkt nach meiner Ankunft fuhr ich mit dem Taxi weiter nach

Varkala

Varkala ist ein Strandort im Osten Südindiens. Auf einem wunderschönen Cliff hat sich eine touristische Infrastruktur gebildet. Varkala ist ein guter Startpunkt für eine erste Reise nach Indien. Die Atmosphäre ist toll. Überall sind exotische Klänge und Trommeln zu hören und es riecht nach Räucherstäbchen. Yoga und Ayurveda machen das indische Klischee perfekt. Bei meinem ersten Essen habe ich vom Tisch aus Delfine gesehen, die sehr nahe an den Strand gekommen waren. In Varkala kann man wunderbar ein paar Tage abhängen und sich an das Land gewöhnen.

Der Strand in Varkala (Foto:Ruti)

Der Strand in Varkala (Foto:Ruti)

Nach 2 Nächten bin ich aufgebrochen und mit der indischen Eisenbahn 2,5 Stunden in Richtung Norden gefahren nach

Alappuzha oder Allepey
Hausboot in den Kerala Backwaters von Südindien (Foto: ruti)

Hausboot in den Backwaters von Südindien (Foto: ruti)

Allepey ist einer der Ausgangspunkte, um die berühmten Backwaters zu besuchen. Das ist eine riesige Seen- und Flusslandschaft. Touristen verbringen oft mehrere Tage in nostalgischen zu Hausbooten umgebauten Reisbooten auf dem Wasser.

Meine Zeit war begrenzt. Deshalb wählte ich die Variante, mit einem Boot, das als öffentliches Verkehrsmittel fungiert, zu meiner nächsten Station zu fahren und die Backwaters auf dem Weg zu besichtigen. Das war lange nicht so romantisch und komfortabel wie eine Hausboot-Fahrt, aber ich sah trotzdem viel von den Backwaters, reiste mit dem einfachen Volk und war der einzige Weiße dort. Außerdem kostete das auch so gut wie nichts.

Die faszinierenden Backwaters in Kerala sind ein Touristenmagnet in Südindien. (Foto: Ruti)

Die faszinierenden Backwaters in Kerala sind ein Touristenmagnet. (Foto: Ruti)

Nach knapp vier Stunden erreichte ich

Kottayam

In Kottayam war ich nur auf der Durchreise in Richtung Kardamom-Gebirge. Die Stadt hat nicht viel zu bieten, um nicht zu sagen, dass sie hässlich ist. In Kottayam haben sich sehr früh Christen niedergelassen. Deshalb stehen hier zwei der ältesten christlichen Kirchen Indiens. Ich habe sie besichtigt, vom Hocker gehauen haben sie mich aber nicht. Nach einer von Stromausfällen gekennzeichneten Nacht fuhr ich mit dem Bus hinauf ins Gebirge nach

Kumily
Die Kardamom-Berge in Südindien (Foto: ruti)

Die Kardamom-Berge (Foto: ruti)

Das Städtchen Kumily liegt in den Hügeln des Kardamom-Gebirges. In ihm verläuft die Grenze zwischen den Bundesstaaten Kerala im Westen und Tamil Nadu im Osten Südindiens.

Tee- und Gewürzplantagen prägen die Landschaft in den Kardamom-Hügeln Südindiens. (Foto: ruti)

Tee- und Gewürzplantagen prägen die Landschaft in den Kardamom-Hügeln. (Foto: ruti)

Die Natur hier ist wahnsinnig geil, schon die Fahrt mit dem wackeligen Bus führt einen direkt durch das Dschungelbuch. Wenn der Bus sich dann das Gebirge hinaufquält, tauchen zwischen dem Dickicht immer wieder Tee- und Gewürzplantagen auf.

Direkt bei Kumily gibt es den Periyar-Nationalpark, in dem man verschiedene Touren machen kann. Ich habe mich für Bamboo-Rafting entschieden.

Mit einem Bambusfloß paddelten wir über den Periyar-Stausee. (Foto: ruti)

Mit einem Bambusfloß paddelten wir über den Periyar-Stausee. (Foto: ruti)

Dabei fährt man mit einem Bambusfloß über einen großen See, aber die meiste Zeit marschiert man durch den Dschungel auf der Suche nach Elefanten und Tigern.

Der Besitzer meines Guesthouses hatte mir bereits gesagt, dass ich keine Hoffnung auf eine Tigersichtung habe sollte. Elefanten zu sehen sei aber möglich. Aber auch die habe sich nicht gezeigt. Dafür aber Affen, Wildschweine, eine Art Büffel und jede Menge Elefanten- und Tiger-Fußabdrücke. Spaß gemacht hat die Tour trotzdem.

Fahrt über den Stausee im indischen Periyar-Nationalpark (Foto: ruti)

Fahrt über den Stausee im Periyar-Nationalpark (Foto: ruti)

In der Stadt habe ich mir noch eine traditionelle Kalikali-Tanzshow angeschaut. Nach zwei Nächten brach mit dem Bus auf nach

Madurai

Vor meiner Abreise aus Kumily wurden mir zwischen drei und sechs Stunden allerlei Fahrtzeiten angekündigt. Ich war nach 3,5 Stunden in Madurai. Die Stadt habe ich wegen des spektakulären hinduistischen Sri-Minakshi-Sundareshwara-Tempels (oder kurz Minakshi-Tempel) besucht, der wirklich sehenswert ist. Vor allem die seltsamen Rituale und die geile Hindu-Musik (höre oben) haben mir gefallen. Im Inneren des Tempels sind keine Fotos erlaubt, das Schauspiel, welches dort geboten wurde, war jedoch eindrucksvoll: Um eine Erhöhung auf der eine große steinerne Kuh stand, knieten jede Menge Menschen herum. Ein Vorsprecher gab einen Sing-Sang vor, den die Menge nachsprach. Währenddessen haben zwei Männer, die möglicherweise sowas wie Priester waren, die Steinkuh gewaschen. In einem unendlichen Ritus seiften sie das steinerne Tier ein und wuschen es dann wieder ab. Das war irgendwie abgefahren.

Einer der zwölf Gopurams des Sri-Minakshi-Sundareshwara-Tempels in Madurai. (Foto: ruti)

Einer der zwölf Gopurams des Sri-Minakshi-Sundareshwara-Tempels in Madurai. (Foto: ruti)

Am Abend gings mit dem Nachtzug nach

Chennai oder Madras

Eine Fahrt mit der indischen Eisenbahn kann ich wärmstens empfehlen. Das muss man mal erlebt haben. Oder wie eine israelische Backpackerin zu mir sagte: “Wenn Du nicht mit dem Nachtzug gefahren bist, warst Du nicht wirklich in Indien.”

Nach neun Stunden fuhr der Zug in Chennai ein. Damit hatte ich die Ostküste Südindiens erreicht. Von dort aus fuhr ich mit dem Taxi zum Busbahnhof, von dem aus ich, nach einigen Schwierigkeiten, den richtigen Bus zu finden und etwa zwei Stunden Wartezeit, weitergefahren bin nach

Mahabalipuram oder Mamallapuram
Der Küstentempel von Mamallapuram steht bereits seit zwölf Jahrhunderten und ist von Wind und Wetter weichgezeichnet. (Foto: ruti)

Der Küstentempel von Mamallapuram steht bereits seit zwölf Jahrhunderten und ist von Wind und Wetter weichgezeichnet. (Foto: ruti)

Die Fahrt dauerte etwa 2,5 Sunden. Meine Weiterfahrt hierhin hatte ich mir selbst schwer gemacht. Denn ich hatte nicht gecheckt, dass Mahabalipuram und Mamallapuram ein und derselbe Ort ist. Das erfuhr ich erst dort.

Solche aus Stein gehauene Figuren gibt es in allen Formen und Größen in Mahabalipuram. (Foto: ruti)

Solche aus Stein gehauene Figuren gibt es in allen Formen und Größen in Mahabalipuram. (Foto: ruti)

Mahabalipuram ist ein Strandort an der Ostküste. Bekannt ist er jedoch weniger wegen des Strandes, sondern für die Steinmetzkunst. Der ganze Ort ist mit Staub überzogen, überall hört man das Hämmern der Steinmetze, die kunstvolle Figuren per Hand aus Felsblöcken klopfen. Es gibt hunderte Shops, die Steinfiguren verkaufen.

Außerdem kann man sich in Mamallapuram beeindruckende von Steinmetzen erschaffene Tempel, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, anschauen. Etwas nervig ist leider das ständige angelabert werden. Das erlebt man in Indien allgemein ziemlich häufig, aber wo die Konkurrenz bzw. der Tourismus Einzug gehalten hat, ist es extrem. Und in Mahabalipuram gibt es eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur.

Hier kann man gut erkennen, wie der ursprüngliche Berg in Mamallapuram ausgehöhlt wurde. (Foto: ruti)

Hier kann man gut erkennen, wie der ursprüngliche Berg ausgehöhlt wurde. (Foto: ruti)

Dennoch lohnt es sich, hier mal vorbeizuschauen. Allein schon wegen Krishnas Butterball, eine Felskugel, die so auf der Kante eines Berges liegt, als rolle sie jedem Moment hinunter. Allerdings liegt sie dort bereits seit Hunderten von Jahren.

 

Krishnas Butterball (Foto: ruti)

Krishnas Butterball (Foto: ruti)

Hier blieb ich 3 Nächte, bevor ich mit dem Taxi aufbrach nach

Chennai

Ich ließ mich direkt zum Flughafen fahren, weil ich von dort aus weiterflog auf die

Andamanen
Beach Nr. 5 auf der Insel Havelock (Foto: ruti)

Beach Nr. 5 auf der Insel Havelock (Foto: ruti)

Spicejet brachte mich in 2,5 Stunden nach Port Blair, der Hauptstadt der Andamanen. Die Inselkette wurde früher wegen ihrer abgeschiedenen Lage mitten im Ozean von den Briten als Strafkolonie genutzt. Die Bedingungen waren grauenvoll. Während die Gefangenen ihr Gefängnis selbst bauen mussten, starben die meisten aufgrund körperlicher Erschöpfung oder wurden von Tropenkrankheiten dahingerafft. Das alte Gefängnis kann man besichtigen, außerdem ein paar andere Sehenswürdigkeiten mit Gruselfaktor. Ich bin leider nicht dazugekommen, dafür war mir Inselurlaub im Paradies vergönnt. Die berühmteste Insel der Andamanen ist

Havelock

Eine Fähre brachte mich in 3,5 Stunden nach Havelock. Ihre Bekanntheit hat die Insel dem spektakulären Strand Radhanagar zu verdanken. Der einfachere und bekanntere Name ist Beach Nr. 7. Das “Time Magazine” kührte den Strand einst zum schönsten Asiens. Und er ist wirklich ziemlich geil. Extrem breit mit extrem weißem und wunderbar weichem Sand. Das Wasser ist türkisblau und wird ganz allmählich in einem perfekten Winkel tiefer. Dazu gibt es einen leichten, sehr angenehmen Wellengang, der Bodysurfen erlaubt und jeden Abend kann man einen atembraubenden Sonnenuntergang genießen. Hier sieht es aus, wie in der Serie “Lost”.

Beach Nr. 7 auf Havelock. (Foto: Ruti)

Beach Nr. 7 auf Havelock. (Foto: Ruti)

Damit sich die Menschen nicht tot treten, hat Gott die Beach Nr. 7 sieben Kilometer lang gemacht. Es gibt an einer Stelle eine kleine Lagune, in der man Schnorcheln kann. Die Schattenseite: Vor ein paar Jahren wurde hier ein Tourist von einem Salzwasserkrokodil getötet.

Havelock ist ein Paradies für Backpacker. Außer Tauchen und Chillen kann man hier nicht viel machen. Wohnen tut man besser an der Beach Nr. 5, weil es da Restaurants gibt und auch die Backpackerhostels dort sind.

Die typische Backpacker-Hütte (Foto: ruti)

Die typische Backpacker-Hütte (Foto: ruti)

Ich verbrachte 10 Tage auf Havelock bevor ich zurück schipperte nach

Port Blair

Dort konnte ich leider nichts weiter besichtigen, weil meine Airline pleite gegangen war und ich mich darum kümmern musste, rechtzeitig für meinen Flug nach Deutschland wieder auf das Festland zu kommen (hier gehts zu der Story). Eine Nacht schlief ich dort und flog dann nach

Chennai, wo ich noch eine weitere Nacht verbrachte, bevor ich zurück in die Heimat flog.

Zu viel Strecke für drei Wochen?

Aufgrund der enormen Größe des Landes hatte ich vor meiner Reise Sorgen, dass die Strecke innerhalb von 3 Wochen nicht machbar ist. Auch intensives Suchen im Internet brachte mir keine befriedigende Antwort. Die meisten Reisen, die angeboten werden, berechnen allein für das Festlandstück 3 Wochen. Und da ist der Transport bereits organisiert.

Nun, nach meiner Reise, kann ich sagen, dass man das auf jeden Fall schafft. Es gibt überall Bus- und Bahnverbindungen und viele Städte verfügen über Flughäfen. Allerdings sollte man mit Unvorhergesehenem rechnen. Das ist Indien. Wenn man in Zeitnot kommt, kann man sich aber mit einem Flug retten. Flüge kosten ab 40 Euro aufwärts.

Viel unterwegs

Aber mein Programm war schon stramm. Ich habe viel Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln verbracht. Für manche wäre das eine Tortur, für mich aber war das nicht schlimm. Ich mag es durchs Land zu fahren, von Händlern komisches Essen zu kaufen und mich mit der Bevölkerung zu unterhalten. Außerdem ist es ein schönes Abenteuer und ich habe eine Menge vom normalen Leben in Indien mitgekriegt.

Allerdings fehlt dann auch ein bisschen das richtige Ankommen an einem Ort. Ich konnte aber auf den Andamanen noch schön relaxen.

Wenn man auf Havelock ist, sind Strandhunde ständige Gefährten. Aber die chillen auch gern. (Foto: ruti)

Nach dem ganzen Vorbereitung-, Planungs- und Reisestress blieb dann doch noch Zeit zum Chillen.

Das erste Hotel im Voraus buchen

Von Zuhause aus hatte ich nur den Hin- und Rückflug gebucht. Mit SriLankan Airlines ging es von Frankfurt über Colombo nach Trivandrum und 23 Tage später zurück von Chennai über Colombo nach Frankfurt. Das Ticket hat 550 Euro gekostet. Den Flug von Chennai nach Port Blair habe ich erst in Mamallapuram gebucht, weil ich vorher nicht wusste, wann ich Chennai erreichen würde.

Außerdem hatte ich das erste Hotel in Varkala von Zuhause aus gebucht inklusive Transfer vom Flughafen dorthin. Das hatte den Vorteil, dass ich nach dem langen Flug keinen Stress hatte. Zudem hatten mich viele Leute verunsichert, dass Indien so ein krasser Kulturschock und kein einfaches Land für Backpacker sei. Nun weiß ich, dass das alles nicht so schlimm ist, es aber dennoch angenehm war, direkt ins Hotel kutschiert zu werden. Es wäre aber auch ohne gegangen.

Puducherry verpasst

Ich wäre gerne noch nach Puducherry gefahren, einer französisch geprägten Stadt, die sehr schön sein soll, aber das habe ich nicht mehr geschafft. Wenn man mehr Zeit hat, lohnt es sich bestimmt, Puducherry noch einzubauen. Hier geht’s weiter mit Seite 2 und Infos zu “Visum und Einreise”.

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  1. Pingback: Fluggesellschaft pleite - gefangen im indischen Paradies

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